Es ist ein offenes Geheimnis, dass Kim Jong-un in Bern zur Schule gegangen ist. Jahrzehnte später erhält sein Basketball-Coach Frank eine Einladung aus Pjöngjang - und steht nun vor der Frage, ob er dem Diktator begegnen soll. Bei den Besuchen am Sterbebett seiner Mutter verdichten sich Erinnerungen, Schuldgefühle und politische Zweifel. Seine Partnerin Renee, radikal und unberechenbar, will Kim töten. Zwischen Internatsintrigen, Influencer-Druck und moralischer Verantwortung muss Frank sich entscheiden: Flucht oder Konfrontation?
Rezensent Benedikt Herber liest den neusten Roman Tom Kummers gern. Einmal mehr vermischen sich, wie oft bei Kummer, Fakten und Fiktion. Der faktische Anteil: Der heutige nordkoreanische Diktator Kim Jong-un besuchte in seiner Jugend in Bern ein Internat. Kummer bastelt aus dieser Begebenheit eine Geschichte, die sich um Frank Bichsel dreht, einen Basketballlehrer, der einst den von ihm Kimu genannten Nordkoreaner unterrichtete - und der nun von Kimu nach Nordkorea eingeladen wird. Bichsel überlegt hin und her: Soll er die Einladung aus moralischen Gründen ablehnen, oder soll er sie annehmen; und bei dieser Gelegenheit womöglich die Welt von einem brutalen Diktator befreien? Bichsel stellt sich diese Fragen am Sterbebett seiner Mutter. Tatsächlich gefällt Herber die Beziehung der Hauptfigur zur Mutter noch besser als die manchmal etwas schematischen Überlegungen zu Kim Jong-un, den Bichsel selbst als eher schwächlichen Jüngling erinnert. Letzten Endes geht es Kummer, so Herber, um "das Recht, sich einen privaten Schutzraum zu suchen" in einer Zeit, die einen allseitig mit politischen Forderungen bedrängt. Herber ist das, wie das gesamte Buch, ziemlich sympathisch.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2026
Rezensentin Leonie C. Wagner trifft Tom Kummer anlässlich seines neuen Roman, des ersten nicht-autobiografischen, wie sie erklärt. Ganz schlau wird sie weder dem Buch noch aus seinem Autor. Das liegt möglicherweise auch daran, dass die Hauptfigur im Buch Ähnlichkeit mit Kummer hat, wie sie meint. Es geht um den Basketballtrainer von Kim Jong Un während Kims Zeit als Eleve an einer Berner Schule. Wagner erscheint der Mann zerfressen von moralischen Skupeln wegen seiner lange vergangenen Geschichte mit Kim und verunsichert angesichts der Gegenwart. Der Stil des Romans ist laut Wagner an die Beat-Literatur angelehnt und etwas gewöhnungsbedürftig, findet sie. Nicht gerade eine Lektüreeinladung.
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