Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke und Marlene Müller-Haas. Nie zuvor sind die Menschen so alt geworden wie heute. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Jede Woche fügen wir ein Wochenende zu unserer Lebenszeit hinzu, ohne dass die kranke Zeit im Alter zunimmt. 75 ist das neue 65. Aber haben wir auf das lange Leben schon die richtigen Antworten? Kann man mit 75 noch ein neues Leben anfangen? Der prominente niederländische Altersmediziner Rudi Westendorp erklärt, wie es dazu kam, dass "Älter werden" und "Alt sein" nicht mehr dasselbe sind, und wie wir mit der Explosion unserer Lebenserwartung umgehen können. Wie kaum jemand vor ihm beleuchtet er das Phänomen des verlangsamten Alterns in ganzheitlicher Sicht - aus den Perspektiven der Biologie, der Medizin, der Pflege und der Gesellschaft. Dabei macht er eine Reihe von Vorschlägen, etwa zur Reform des Arbeitsmarktes, zur Wohnungsbaupolitik und zur Organisation von Pflege. Und er fordert uns dazu auf, mehr Kreativität bei der Gestaltung unserer Lebensläufe an den Tag zu legen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2015
Lesenswert findet Manuela Lenzen das Buch des Mediziners Rudi Westendorp. Der Autor sucht darin nach dem besten Weg, alt zu werden und macht der Rezensentin schnell klar, dass es das einfache Rezept nicht gibt, schon weil das Altern bei jedem anders vonstatten geht. Westendorp gibt also keine wohlfeilen Ratschläge, sondern betrachtet das Altern und seine Folgen in ihrer Komplexität, meint Lenzen, wissenschaftlich, gesellschaftlich und individuell. Dabei kann der Autor Mythen widerlegen und den Behandlungswahn relativieren, Demografie und Pflegekosten diskutieren und Vitalität als eine Haltung ausgeben, mit der sich alt werden lässt, so Lenzen.
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