Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Die finnische Archäologiestudentin sitzt nur eine Armeslänge entfernt von einem mit allen schmutzigen Wassern gewaschenen Russen, und aus der erhofften beschaulichen Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn wird ein Höllentrip. Eine Woche, in der sie notgedrungen schweigt, denn er reißt vulgäre Witze und erzählt von Vergewaltigungen, Schlägereien und dem Mord, für den er im Gefängnis saß. Je mehr Wodka er trinkt, desto krasser werden die Geschichten, denen die junge Frau ausgeliefert ist. Und doch entwickelt er echte Fürsorge für seine Mitreisende, teilt mit ihr Salzgurken, Zwiebeln und Schwarzbrot - bis er ihr das Wertvollste schenkt, das er besitzt: das Messer, mit dem er einen Menschen erstochen hat. Rosa Liksom erzählt in diesem Kammerspiel die Geschichte einer schonungslosen Freundschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.05.2013
Die Reisen mit der Transsibirischen Eisenbahn schienen schon ein bisschen aus der Mode gekommen zu sein, und wahrscheinlich wird auch Rosa Liksoms Roman "Abteil Nr. 6" das nicht mehr rückgängig machen. Wie Katharina Granzin berichtet, erzählt die finnische Autorin von der Reise einer jungen namenlos bleibenden Frau, die die einwöchige Reise unternimmt und dabei das Abteil mit einem nervtötenden Mann teilen muss. Entweder trinkt er, erzählt Zoten oder macht die jungen Frau an. Granzin bemerkt, wie stumm die junge Frau den ganzen Roman über bleibt, der zwar aus ihrer Perspektive erzählt wird, aber kein Wort und keinen Gedanken von ihr verrät. Während die Frau bis zum Schluss ein Rätsel bleibt, beschreibe Liksom die Landschaft sehr detailliert, bemerkt Granzin, deren Begeisterung über den Roman recht verhalten bleibt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2013
Wunderbar scheint Aldo Keel Rosa Liksoms Roman nicht nur wegen der authentischen, auf eigene Anschauung zurückgehenden Schilderung einer Reise durch Sibirien. Sog entwickelt die Geschichte laut Keel durch die parallel zur Reise in der Erinnerung verhandelte Dreiecksgeschichte einer problematischen Liebe ebenso wie durch Liksoms konkrete, zugleich poetische Beschreibungen der vor den Zugfenstern vorbeiziehenden sibirischen Landschaft. Richtig dynamisch wird der Text für Keel durch die Begegnung der Reisenden mit einem raubeinigen Abteilgenossen. Als gelungene Reverenz einer finnischen Autorin an das ewige Russland erscheint Keel das Buch.
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