Die DDR-Spionage gilt gemeinhin als das Aushängeschild des Bundesnachrichtendienstes. Seine nun erstmals gründlich ausgewerteten Unterlagen zeigen, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklafften. Denn nach einem kurzen Höhenflug geriet die DDR-Aufklärung des BND im Vergleich zu den anderen westlichen und westdeutschen Diensten deutlich ins Hintertreffen - schon vor dem Mauerbau. Mehr noch: Dem KGB gelang es, die BND-Berichterstattung an die Bundesregierung an entscheidenden Stellen zu manipulieren. Ronny Heidenreich untersucht Praxis und Ertrag der Pullacher DDR-Spionage und zeigt, wie der BND seine Schwächen gegenüber der Öffentlichkeit und den eigenen Mitarbeitern mit inszenierten Erfolgen überdeckte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2020
Helmut Müller-Enbergs bekommt solide Historikerarbeit mit Ronny Heidenreichs "Grundlagenwerk" zur DDR-Spionage des BND bis 1961. Auch wenn der Autor nicht jede Operation der Pullacher behandelt, so beruft er sich jedenfalls auf eine breite Quellenbasis aus amerikanischen und britischen Akten, für den Rezensenten "erfreulich". Wie Mikro- und Makroebene im Buch ineinandergreifen, scheint Müller-Enbergs ebenfalls bemerkenswert. Die vom Autor konstatierte Fehleinschätzung des BND in Sachen Grenzschließung hält der Rezensent allerdings für diskutabel.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.02.2020
Norbert F. Pötzl erfährt vom Geschichtswissenschaftler Ronny Heidenreich, was für ein Pannenverein der BND unter Reinhard Gehlen war. Auf breiter Materialbasis kann ihm der Autor das Versagen der Pullacher in Krisenzeiten nachweisen, so im Fall des Koreakriegs, des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 und des Mauerbaus. Minutiös findet Pötzl die Rekonstruktion der Informationsabläufe hinter dem angeblichen BND-Coup der Verkündigung der unmittelbar bevorstehenden Schließung der DDR-Grenze.
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