Sozialstaat bedeutet Sicherheit für alle, gerade in unsicheren Zeiten wie diesen. Selbst für die, die sich auf der sicheren Seite wähnen. Doch der Glaube an die Stärken unseres Sozialstaates zerfällt, der gesellschaftliche Grundkonsens ist gefährdet. Der Ökonom Ronnie Schöb präsentiert einen großen Entwurf für eine Modernisierung, die neues Vertrauen schafft. Seine Überzeugung: Wir müssen uns von dem interessengeleiteten Klein-Klein der Sozialpolitik genauso verabschieden wie von den verkrusteten Strukturen eines in die Jahre gekommenen Sozialsystems. Weniger Bürokratie, Hilfe, wo Hilfe nötig ist, und vor allem Eigenverantwortung: So wird der Sozialstaat zukunftsfest.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2020
Tillmann Neuscheler empfiehlt das Buch des Ökonomen Ronnie Schöb. Schöbs kritischer, aber nicht eifernder Blick auf den deutschen Sozialstaat gefällt dem Rezensenten gut. Schöb erläutert zunächst die unbestreitbaren Vorteile des Systems, seine grundsätzliche Stärke, um dann Reformen anzuregen, erklärt Neuscheler. Es geht um Anreize zur Selbsthilfe in sozialer Not und das Problem der "Bestrafung" von Mehrarbeit. Schöbs Vorschläge, untermauert mit Grafiken und Beispielrechnungen, die laut Neuscheler auf drei Pfeiler einer neuen Grundsicherungsarchitektur hinauslaufen, findet der Rezensent interessant. Auch die Frage, was der Sozialstaat für Migranten leisten soll, diskutiert der Autor, und zwar "liberal offen", wie Neuscheler betont.
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