dtv, München 2026
ISBN
9783423285308 Gebunden, 240 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Verliebt, verlobt, verloren. Sabrina ist mit dem krebskranken Mädchen aus der Parallelklasse bloß befreundet, weil sie dafür bewundert wird. Wilma fragt sich, wann sie endlich aufhören kann, sich um andere zu kümmern - vor allem um ihre unerträgliche Schwiegermutter. Benni kommt mit dem beruflichen Erfolg seiner Freundin nicht klar und lässt sie jeden Tag dafür bezahlen. Und das Mädchen aus der Parallelklasse? Muss erst lernen, dass es echte Liebe verdient. Ronja von Rönnes Figuren erleben, wie leise Abhängigkeit erwächst und wie Nähe sich in Macht verwandelt.
"Absolut cool" findet Rezensentin Laura Hertreiter den neuen Roman von Ronja von Rönne, in dem die Lüge eine entscheidende Rolle spielt, schon der Titel lügt, denn um Liebe geht es weniger, eher um fünf Protagonisten, die mit ihren Gefühlen nicht klarkommen und sich davor ins Schwindeln und in den Wahnsinn flüchten. Hertreiter liest von Barbara, deren Tochter an Krebs stirbt, was sie in ihrer Selbsthilfegruppe aber verschweigt, parallel stürzt sie sich so sehr in eine fantasierte Beziehung, dass eines Tages die Polizei vor der Tür steht. Die Kritikerin lobt die vielen Perspektivwechsel, die Rönne zum Beispiel auch zu Fedor führen, einem größenwahnsinnigen Künstler, dem die eigene Frau den Rang abläuft, was er aber nicht wahrhaben will. Diese sich um die Lüge spannenden Texte sind wie Kurzgeschichten aufgebaut, die erst gegen Ende ihren engen Zusammenhang offenbaren, so Hertreiter, sie sind so aufschlussreich und traurig wie unterhaltsam und klug. Eine echte Empfehlung für diesen Lesesommer, schließt sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.06.2026
Ein bisschen voreingenommen, das gibt sie selbst zu, bespricht Rezensentin Marie Serah Ebcinoglu den neuen Roman von Ronja von Rönne - wo diese doch zuletzt versichert hatte, erstmal keinen mehr schreiben zu wollen, und auch wiederholt betont, wie quälend sie generell das Schreiben empfinde. Dann mach halt was anderes, möchte Ebcinoglu ihr zurufen und findet "Alles Liebe" dann auch eher mittel. Ein paar lobende Worte gibt es zwar schon, aber eher pro forma, scheint es - immer schwingt im Positiven auch gleich ein Kritikpunkt mit: von den Lügen, in denen sich alle Figuren der fünf Geschichten verstricken, erzähle von Rönne zwar konsequent, aber um die titelgebende Liebe gehe es wenig; der typische "von-Rönne-Sound" mit "Gespür für schöne Sätze" sei zwar da und der Lesefluss ungebrochen, dafür aber zu undifferenziert in den verschiedenen Erzählstimmen; und das Buch vermöge zwar unmittelbar zu affizieren, nicht aber nachhaltig zu bewegen. Eine Ausnahme ist für Ebcinoglu die letzte Geschichte, bei der sie doch über Täter-Opfer-Fragen ins "Grübeln" kommt. "Unterhaltsam" sei der Roman auch allemal, aber letztlich fehlt es der Kritikerin an Tiefe und Komplexität.
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