Über Musik, letzte Lieder und die Improvisation des Lebens
. Für Marten ist der Friedhof der richtige Ort: Friedhöfe sind ruhig, gut ausgeschildert und bieten ausreichend Schatten. Schon als Kind hat er die Befürchtung, nicht in diese Welt zu passen - und als sich die Möglichkeit auf ein Dasein frei von Unwägbarkeiten bietet, greift er zu: Er wird Beerdigungstrompeter auf dem Nordfriedhof in München und spielt den Toten das letzte Lied. Als Marten die Bankkarte seines soeben zu Grabe getragenen Klassenkameraden Wilhelm findet, beginnt eine groteske Irrfahrt. Ohne eigenes Zutun wird er in einen Strudel merkwürdiger Ereignisse gezogen und lernt all das kennen, wovon er sich Zeit seines Lebens so mühsam ferngehalten hat: andere Menschen, Geld, Abenteuer, die Liebe.
Jess Jochimsens "Abschlussball" ist ein Buch über München, München jedoch wie es nicht mehr so viele Menschen kennen, abseits des Allzubekannten: "das arschlochfreie München", so Andreas Rüttenauer. Die Geschichte, die Jochimsen erzählt, liest sich wie eine "Gebrauchsanweisung für Melancholie", findet der Rezensent. Ein Trompeter musiziert auf der Trauerfeier eines verstorbenen Schulkameraden und wird von seinem alten Leben eingeholt, fasst Rüttenauer zusammen. Überhaupt wird viel gestorben und getrauert, allerdings von so wunderbar skurrilen Gestalten und an so abseitigen Orten, dass das Buch eher hoffnungsvoll wirkt und förmlich zum Flanieren einlädt, findet der Rezensent.
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