Rechtzeitig zum 50. Geburtstag unserer Verfassung beschreibt Rolf Lamprecht, wie die Bürger der Bundesrepublik mündig wurden ? mit Hilfe vieler Lektionen aus Karlsruhe. Dort nämlich nahmen die abstrakten Grundrechte konkrete Gestalt an. Generationen von Bundesverfassungsrichtern erfüllten jedes einzelne mit Leben ? von Fall zu Fall. Ihre Entscheidungen lesen sich, als ob ein Chronist des deutschen Alltags sie geschrieben hätte. Wenn ein Bürger den Staat erfolgreich in die Schranken weisen konnte, hatte sich der Kampf nicht nur für ihn, sondern auch für alle anderen gelohnt. Von diesen wegweisenden Urteilen ist hier die Rede. Der Aufbau des Buches ergibt sich aus der Reihenfolge der Grundrechte. Lamprecht erläutert jedes zunächst an einer authentischen Prozeßgeschichte. Eine Ergänzung gibt dann jeweils Auskunft darüber, was der Artikel außerdem noch regelt und was das Bundesverfassungsgericht hierzu erklärt hat. Lamprechts Blick hinter die Kulissen verspricht nicht nur ein anregendes Lese-Abenteuer, sondern bietet auch handfesten Nutzen: Denn auch der Jurist tut gut daran, sich den konkreten Sachverhalt zu veranschaulichen, bevor er aus den anspruchsvollen Obersätzen der Rechtsprechung zitiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2000
Der Erfolg des Grundgesetzes ist der Erfolg des Bundesverfassungsgerichts und er scheint, glaubt man Rolf Lamprecht, total. Der legt nämlich, so wenigstens der Rezensent Cornelius Simon, den "Feuereifer des republikanischen Barrikadenkämpfers" an den Tag und nimmt gar das Kruzifix- und das "Soldaten-sind-Mörder"-Urteil in Kauf, wenngleich ihm beide ebenso wie dem Rezensenten arg gegen den Strich zu gehen scheinen. Für jedes einzelne Grundrecht gibt es ein eigenes Beispiel, geschrieben ist das Buch, so Simon, in "unprätentiös-einfühlsamer, stets auf das Wesentliche bedachter Prosa".
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