Aus dem Französischen von Dieter Hornig. Die Kritischen Essays in Band IV unterscheiden sich nach Umfang, Stil, Anlass und Zielsetzung: In sieben Abteilungen reicht die Spannweite der 45 Aufsätze aus den Jahren 1967 bis 1980 von den frühen Texten über Literatur und Wissenschaft, den berühmten Aufsatz "Der Tod des Autors", Arbeiten aus dem Umfeld der Mythen des Alltags über Sprache und Stil bis hin zu Lektüren unter anderem von Brecht, Michelet, Brillat-Savarin oder Bataille. Kraftzentrum all dieser Texte aber sind die für Roland Barthes zentralen Problematiken der Sprache und des Schreibens - und mit fortschreitendem Alter immer dringlicher: des literarischen Schreibens, nicht zuletzt auch des eigenen. Und so steht am Ende der Vorlesung am College de France über Proust die nicht nur rhetorische Frage, ob er selbst nicht einen Roman schreibe.
Näher am Puls seiner Zeit als in der Neutrum-Vorlesung von 1978 sieht Cord Riechelmann Roland Barthes in den zwischen 1967 und 1980 erschienenen Aufsätzen des vorliegenden Bandes, den er uns als Co-Lektüre dazu empfiehlt. Darauf, dass die Essays, darunter so berühmte, wie der vom "Tod des Autors", auch heute höchste Gültigkeit haben, verweist der Rezensent am Beispiel der sprachmaterialistischen Überlegungen Barthes. Wenn man diese lese, so Riechelmann, erfahre man einiges über aktuelle Kulturkampf-Debatten, obgleich die Segregation der Gesellschaft (durch Sprache) zu ihrer Entstehungszeit noch nicht so weit fortgeschritten war wie heute. Hier komme auch das Neutrum wieder ins Spiel: Als Sprecher einer "unortbaren Sprache, in der das "Begehren zirkuliert und nicht die Herrschaft".
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