Roger Willemsen

Die Enden der Welt

Cover: Die Enden der Welt
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783100921048
Gebunden, 542 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Auf fünf Erdteilen war Roger Willemsen unterwegs, um seine ganz persönlichen Enden der Welt zu finden. Manchmal waren es die großen geographischen: das Kap von Südafrika, Patagonien, der Himalaja, die Südseeinseln von Tonga, der Nordpol. Manchmal waren es aber auch ganz einzigartige, individuelle Endpunkte: eine Bahnstation in Birma, ein Bett in Minsk, ein Fresko des Jüngsten Gerichts in Orvieto, eine Behörde im kriegszerrütteten Kongo. Immer aber geht es in diesen grandiosen literarischen Reisebildern auch um ein Enden in anderem Sinn: um ein Ende der Liebe und des Begehrens, der Illusionen, der Ordnung und Verständigung. Um das Ende des Lebens und um den Neubeginn.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.11.2010

Mit Siebenmeilenstiefeln ist Andreas Langenbacher dem rasenden Autor um die Welt gefolgt, nach Kinshasa, Timbuktu und so und konnte Roger Willemsen doch nur immer grad um die Ecke biegen sehen, schon war er wieder weg und weiter. Das kommt, weil beim Lesen die vielen Erkenntnisse eingesammelt werden wollen, die Willemsens poetische, sensible neugierige Geistesgegenwart andauernd abwirft zu Orten und Menschen. Dass dabei nicht "nur" Zusammenhänge politischer, sozialer, ökologischer Natur offengelegt werden, sondern vor allem auch der transzendentalen Idee vom Reisen hinterhergejagt wird, ist für Langenbacher von besonderem Reiz, Ausdruck der luziden Sentimentalität des Autors, der kurzen wie der lange Brennweite seiner Beobachtungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2010

Roger Willemsen begegnet dem Rezensenten Burkhard Müller in diesem Reisebuch als Rastloser, Melancholiker und Einsamer, und am Anfang der Unrast liegt, so die Überzeugung des Rezensenten, das geheime Wissen, dass einen auch noch so ferne Reisen "nicht weiter bringen". Auch Reiseliebeleien sind in diesem Buch nicht von Glück geprägt, sondern scheitern regelmäßig an "Wahnsinn" oder der "Banalität" der Umstände, verrät der Rezensent. Er ist Willemsen bereitwillig zu dessen "Enden der Welt" gefolgt, wobei ihn zweierlei beeindruckt hat: die "Unerschrockenheit" des Reisenden, der sich den fremdesten und verstörendsten Erfahrungen aussetzt, und die berührende "Zärtlichkeit", die er immer wieder beim Abschied von seinen Reisebegleitern an den Tag legt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010

Nichts Neues aus der Welt, aber gut Erzähltes und darum Genuss bietet dieser Band dem Rezensenten Daniel Haas. Dass ausgerechnet die Medienfigur Roger Willemsen auf seinen Expeditionen nach Katmandu, Kongo, Mandalay und anderswo hin danach trachtet, zu verschwinden, ans Ende der Welt zu kommen (und dabei selbstverständlich scheitert), empfindet  Haas als hübsches Paradox. Der Reisenanlass gefällt ihm trotzdem viel besser als der zunächst vermutete "dialektische Narzissmus" eines Reisenden, der sich selbst im andern sucht. Schier berauschend dann erscheint Haas die Beschreibungsfülle. Gepaart mit einer aus der Rahmenhandlung sich ergebenden "moralischen Integrität" ergibt das für den Rezensenten einen "Episodenroman", als der das Buch auch zu lesen sei: etappenweise, weil der Google-Earth-Impressionismus sonst zu nerven anfange.
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