Niemand hat das Bild der modernen, emanzipierten Frau in der DDR so nachhaltig geprägt wie die Berliner Modejournalistin Dorothea Melis. Nicht ganz treffend als "Anna Wintour des Ostens" bezeichnet, reichte ihr Einfluss weit über den einer Moderedakteurin der legendären Zeitschrift "Sibylle" hinaus. Hier und später bei der Luxusmarke "Exquisit" präsentierte sie ein Lebensgefühl und einen Glücksanspruch, deren revolutionärer Charakter heute kaum noch ermessen werden kann. Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg hat Roger Melis Bilder der Frau geschaffen, mit der er seit 1967 zusammen lebte und arbeitete, manche als zufällige Alltagsbeobachtungen, manche als wohlkomponierte Porträts, immer mit dem Auge des liebenden Partners und des meisterhaften Künstlers.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2022
Rezensent Freddy Langer freut sich über das Engagement, mit dem Mathias Bertram sich dem Nachlass seines Ziehvaters Roger Melis widmet. Die neueste Frucht dieser Arbeit begeistert Langer als Einblick in das Privatarchiv des Fotografen Melis. Die 60 Porträts seiner Frau Thea wirken auf Langer alles andere als en passant entstanden. In jedem der Bilder, die Thea Melis eher angespannt, konzentriert zeigen, wie Langer feststellt, kristallisiert für den Rezensenten die strenge Kompositiontechnik und die gegenseitige Wertschätzung von Künstler und Motiv. Dass dabei keine Biografie eines Paares herauskommt, sondern Kunstschönheit, wenngleich geheimnisvoll, ist für Langer das Spannende an diesem Bildband.
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