Roberto Esposito

Immunitas

Schutz und Negation des Lebens
Cover: Immunitas
Diaphanes Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783935300285
Kartoniert, 276 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Sabine Schulz. Was haben Warnungen vor Computerviren, vor einem weltumspannenden Terrorismus oder vor einer neuen hochansteckenden Krankheit miteinander gemeinsam? Der italienische Philosoph Roberto Esposito entwickelt den Begriff "Immunität" als ein Grundparadigma an den Schnittstellen von Medizin, Politik und Recht, das heute mehr denn je an Gültigkeit gewinnt. Denn: Je stärker das Gefühl des Ausgesetztseins gegenüber dem Risiko von Infiltration und Ansteckung durch von außen kommende Elemente wird, desto mehr zieht sich das Leben des Einzelnen wie der Gesellschaft in das Innere der eigenen, schützenden Grenzen zurück. Die Option einer solchen Immunisierung hat freilich einen hohen Preis: ebenso wie der Körper des Einzelnen kennt auch der Kollektivkörper die "Impfung" durch das von außen kommende Übel selbst, was bedeutet, es in einer kontrollierten Präventivmaßnahme selbst eindringen zu lassen. Somit kann das Leben dem Zugriff des Todes nur entgehen, wenn es dessen eigenes Prinzip inkorporiert - und dadurch die "Form" des Lebendigen seinem reinen biologischen Überleben opfert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.07.2021

Rezensent Georg Simmerl empfiehlt die Neuauflage des Buches von Roberto Esposito als Veröffentlichung der Stunde. Welche Gefahren der Demokratie seitens pandemischer Regierungsmaßnahmen droht, vermittelt ihm der Autor anhand seiner "Leitkonzepte" der "communitas" und der "immunitas". Wie der Autor die Bedeutung der Konzepte juristisch-politisch bzw. vitalistisch entwickelt, findet Simmerl lesenswert nicht zuletzt deshalb, weil sie bei Esposito auf Biopolitik als Regierungsweise hinauslaufen, wie er anmerkt. Erkenntnisstiftend, findet der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.09.2005

Einen immerhin "eingängigen und diskussionswürdigen Interpretationsschlüssel der Post-9/11-Ära" erblickt Rezensent Emanuel Alloa in Roberto Espositos Buch über Immunität, das in Italien wenige Monate nach dem 11. September 2001 erschienen ist und nun in der "sorgfältigen Übersetzung" von Sabine Schulz und Francesca Raimondi auf Deutsch vorliegt. Alloa liest "Immunitas" als zweiten Flügel eines Diptychons ("Communitas", der erste, beschreibt die "Ursprung und Wege der Gemeinschaft"), in dem Esposito die Engführung zweier abendländischer Grundparadigmen vollziehe, deren Wirkmächtigkeit er in so verschiedenen Feldern wie Recht, Anthropologie, Religion, Medizin oder Politik nachzuweisen sucht. Während sich der Philosoph in "Communitas" auf sicherem philosophischen Terrain bewege, begebe er sich in "Immunitas" auf das Feld der Tagespolitik und der Humanmedizin. Er analysiere Schutzmechanismen, mit der sich Gemeinschaften vor der drohenden Gefahr der Auflösung bewahren, wobei er klarmache, dass das Fremde erst innerhalb des Eigenen zur Gefahr werde. Daher operiere jede Immunisierung nicht über den Ausschluss, sondern über die Einverleibung des abgeschwächten Erregers. Die Gemeinschaft schütze sich für Esposito dadurch vor Gewalt, dass sie diese Gewalt normalisiere und zur "Rechtsgewalt" erhebe. Espositos Interpretationsparadigma des "einschließenden Ausschlusses" hält Alloa zwar für "vielversprechend", seine auf die Virologie zurückgreifende Argumentation erscheint ihm allerdings "heikel".

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