Aus dem Französischen von Nicola Denis. Im Risiko, im Unvorhersehbaren liegt eine ungeahnte Kraft. Wenn wir etwas wagen, ohne zu wissen, wo es uns hinführt, können wir nur gewinnen: Handlungsräume, Kreativität und Selbstbestimmung. Das größte Risiko unseres Lebens ist und bleibt die Liebe. Die Philosophin und Psychoanalytikerin Anne Dufourmantelle hat stets nach dieser Maxime gelebt. Als sie im Sommer 2017 zwei Kinder vor dem Ertrinken rettete, hat sie ihr eigenes Leben riskiert - und verloren. Dieses Buch ist ihr Appell, die Fenster aufzureißen, um das Ungewisse in unser Leben zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2018
Auch Rezensent Oliver Pfohlmann ist von der Tatsache berührt, dass die Autorin, die hier für den persönlichen Mut zum Risiko plädiert, selbst beim Versuch, zwei Kinder vor dem Ertrinken zu retten, ums Leben kam. Es geht hier um "Lebenskunst", versichert der Rezensent, und zwar in flagrantem Gegensatz zur wuchernden Ratgeberliteratur. Diese Autorin, so Pfohlmann, will gerade nicht, dass man sich selbst ins Zentrum aller Erwägungen setzt, sondern dass man auch den Mut hat, sich zu verlieren. "Risiko" ist hier nicht das Risiko, das etwa Extremsportler eingehen, sondern wohl eher das Risiko des Engagements. Pfohlmann erinnert daran, dass die Autorin zusammen mit Jacques Derrida im Jahr 1993 ein heute prophetisch wirkendes Buch über Gastfreundschaft geschrieben hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2018
Maximilian Gillessen staunt über die sichere Hand der Übersetzerin Nicola Denis, die Anne Dufourmantelles bereits 2011 im französischen Original erschienenes Buch mit Gespür für die beabsichtigten Unschärfen übertragen hat. Der Mix aus Theorie und Poesie ist es auch, der Gillessen das Buch nicht in die Sparte Ratgeberliteratur einordnen lässt, auch wenn der Titel in die Richtung deutet, wie er findet. Anstatt starke Thesen und eingängige Formulierungen bietet Dufourmantelle laut Rezensent die Andeutung einer Denkbewegung, die die Bereitschaft zum Risiko anhand theoretischer Bezüge zu Kierkegaard, Blanchot oder auch zum antiken Mythos sowie von Fallberichten aus der Praxis der Analytikerin erkundet. Verbindungen zwischen diesen Textebenen muss der Rezensent selber herstellen.
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