Robert Schindel

Wundwurzel

Gedichte
Cover: Wundwurzel
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518417058
Gebunden, 100 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Kühn und in alle Richtungen wuchert die Wundwurzel, Robert Schindels neue Lyriksammlung. Manche ihrer Enden ragen weit hinauf bis in die "Zukunftsgebirge", andere seitwärts in die Gegenwart, zu den "ständigen Männern in der Hotellobby" mit den "nicht ungierigen Augen", zur "nie gesehnen blonden Frau / im Speisewagen" und ins "Gezwitter dieses Sehnens / nach ausgewiesenen Bereitschaften". Wieder andere, nicht zu kappende, reichen tief in die Vergangenheit, in den Rumbulawald bei Riga, wo die "Juden unterm immergrünen Hügel" liegen, "in ihrem Totsein zugegeben unflexibel".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2006

Als großen "Spracherotiker" feiert Rezensent Ernst Osterkamp den Autor mit seinem neuen Gedichtband. Allerdings sei Schindels "herzerfrischende Sinnlichkeit" stets verbunden mit einem bewussten Erinnern an die von ihm so genannte "vergangene Entourage" der toten und ermordeten Juden. Ein ums andere Mal tauche in den Gedichten die poetologische Frage auf, ob der Blick zurück nicht verhindere, "Neuklamüsertes zu alphabetisieren". All die Wortneuschöpfungen, "verqueren Reime" und "ironische Brechungen" beweisen für den Rezensenten, dass bei Schindel der "Wirklichkeitshunger" stärker wiegt als der melancholische Blick zurück. Aber erst beides zusammen mache das spezifische Gewicht von Schindels Lyrik aus, zum Beispiel in seinen "erwachsenen Liebesgedichten", die illusionslos selig daherkämen. "Fröhlich-ernste Weltzugewandtheit" nennt der Rezensent eine solche Stillage und zitiert zum Beweis den Dichter: "Unangenehm ists, ins Wort zu gehen / Statt ins Wirtshaus".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2006

Der Rezensent Hans Christian Kosler warnt, dass der Genuss von Robert Schindels Lyrik dem Leser einiges abverlangt. Eine Art donnerndes "Naturereignis", das zudem noch fortwährend seine Gestalt ändert, ist nach Meinung des Rezensenten sein Stil. "Soll man diesen Lyriker ohne eine konstant lyrische Sprache einen verspäteten Expressionisten nennen?" Auf jeden Fall gibt es in Koslers Augen eine beträchtliche Menge von dem, was Adorno in Bezug auf moderne Lyrik als "inkommensurablen Rest" bezeichnet hat. Einfach zu interpretieren ist Schindels Arbeit nicht. Doch Kolsers Meinung nach lohnt sich die Mühe, denn es gibt eine "ureigenste Mischung aus Renitenz, Melancholie und Hedonismus" zu entdecken, in der sich "mancher Herzakkord" verbirgt.