Friederike Mayröcker

ich sitze nur GRAUSAM da

Cover: ich sitze nur GRAUSAM da
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518422830
Gebunden, 144 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Es ist Sommer in diesem Buch, auch wenn sich die Natur oftmals nicht daran hält, die Blumen erst winzige Knospen tragen oder längst schon wieder verblüht sind. Es ist Sommer in diesem Buch, weil das Sommerlicht angeknipst ist: mal gleißend hell, mal gewitterwolkig verdüstert, ein magisches Licht zugleich, das Uhr und Kompaß außer Kraft, zeitlich und räumlich Getrenntes dafür mühelos in eins setzt etwa wenn die Rußlandreisende in die rollenden Wellen der Newa und das dampfende Bassin des städtischen Freibads zugleich blickt. Die Poetik dieser Gleichzeitigkeit alles Ungleichzeitigen formuliert die Schreiberin selbst: "es sind nicht die Szenen die ich erinnere, es sind vielmehr die diese Szenen begleitenden Sensationen, sage ich zu Ely."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.06.2012

Gedichte? Geschichten? Friederike Mayröckers neues Buch "ich sitze nur GRAUSAM da" entzieht sich der Einordnung. Als "schwer klassifizierbare poetische Meditation in Prosa" beschreibt es Alexander Cammann und zeigt sich fasziniert und verzaubert. Manches sei ihm aus dem früheren Werk der Wiener Dichterin vertraut, etwa die Liebe zur Musik, die Bewunderung für den französischen Philosophen Jacques Derrida, florale Motivik, die Nähe zum Traum. Anderes sei neu, davon am auffälligsten die Figur des "Ely", eine Fiktionalisierung ihres verstorbenen Lebensgefährten Ernst Jandl. Als Traumgestalt sei er bereits in früheren Werken aufgetaucht, so der Rezensent, doch hier beschwört Mayröcker ihren geliebten Dichterkollegen mit einer "Intensität und Nähe, als ob er kaum fort wäre".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2012

Im Mayröcker-Taumel befindet sich der Rezensent und sendet uns den Versuch einer Deutung dessen, was da mit ihm geschieht. Dass die beschriebene Gegenwart Friederike Mayröckers aus Lektüre, (zunehmend beschwerlicher werdenden) Alltagsverrichtungen und Gesprächen (mit sich selbst und mit ihrem verstorbenen Partner Ernst Jandl) immer wieder durchlässig wird für Gewesenes, Begegnungen, Gedachtes und Lautreihen, erläutert Nico Bleutge. Offensichtlich fasziniert ist er von der Kraft der Assoziation in diesen Texten, die er gar nicht zu bezeichnen weiß, außer als gebrochene Offenheit, in der die Sätze ausfransen, doch auch wieder zu sich selber finden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.03.2012

Trotz des Titels und der 87 Lebensjahre von Friederike Mayröcker ist für Meike Fessmann auch ihr jüngstes Prosawerk so lebendig wie eh und je. Noch stärker als sonst sticht der Rezensentin die Lust am "Vermischen" ins Auge, von Imagination und Wirklichkeit, Gegenwart und Vergangenheit, Erinnerungen und gegenwärtigen Wahrnehmungen. Auch der 2000 verstorbene Lebensgefährte Ernst Jandl taucht im neuen Buch wieder auf, als ständiger Ansprechpartner und "Refrain" dieser Aufzeichnungen, die im Sommer 2010 anheben und, ohne einer Chronologie zu folgen, am 19. Februar 2011 mit einem letzten Notat enden, wie die Rezensentin erklärt. Insbesondere, wie die Autorin mit dem Skandalon des Todes umgeht, nämlich mit "poetischer List", entzückt die begeisterte Fessmann und so lässt sie sich auch ohne Widerstand auf die schonungslose Sondierung des mehr und mehr verfallenen Körpers ein, die Mayröcker hier ebenfalls ausbreitet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2012

Für Sabine Doering bestätigt sich mit diesen neuen Aufzeichnungen aus der Schreibwerkstatt der 88-jährigen Friederike Mayröcker der Klassikerrang der Autorin. Wiederum sind es vor allem Dialoge mit dem verstorbenen Lebens- und Arbeitspartner Ernst Jandl, Erinnerungen an Freunde und Kollegen, Reisen und Lektüre, die Mayröckers Schaffen bestimmen. Als radikales Bekenntnis zur Poesie versteht Doering die Texte, weil die Existenz der Autorin, nachlesbar in den Texten, immer mehr vom Schreiben bestimmt zu sein scheint. Zeugnis davon geben die Tintenflecken auf den Bettlaken. Grün wird der Kosmos aus Sprache und Dichtung laut Doering durch die Faszination Mayröckers für die Natur, besonders für Blumen, deren Pracht die Autorin wortreich zu feiern versteht, wie es heißt.