Robert Holzschuh

Das verlorene Paradies Ludwigs II.

Die persönliche Tragödie des Märchenkönigs
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783821808826
Gebunden, 175 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Zwischen 1884 und 1886 schrieb Ludwig II. (1845 bis 1886) zahlreiche geheime Briefe an seinen engsten Vertrauten Karl Hesselschwerdt. Sie endeten stets mit dem Befehl "Verbrenne dieses Blatt!". Jetzt stellt sich Sensationelles heraus: Die Briefe existieren noch. Sie werden in diesem Buch erstmals veröffentlicht ? und sie zeigen, warum der König ihre Vernichtung wünschte: Die Briefe stammen aus den Jahren, in denen sich der finanzielle und politische Untergang seines Königtums vollendete ? und parallel dazu auch Ludwigs private und geistige Katastrophe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.11.2001

"Der Märchenkönig hatte einen Sprung in der Schüssel", stellt Gustav Seibt unmissverständlich fest - wer wüsste das nicht, aber in zwei neuen Publikationen zu Ludwig II. wird das mal wieder eindrucksvoll belegt. Die eine macht unter anderem mit neu aufgetauchten Briefen bekannt, die andere bietet einen Bericht aus erster Hand, nämlich vom preußischen Gesandtschaftssekretär in München, Prinz Philipp von Eulenburg.
1) Robert Holzschuh "Das verlorene Paradies Ludwigs II."
Als Ludwig ganz am Ende war, keines Kredits bei einer europäischen Bank mehr würdig, schickte er Boten "nach Persien, in den Hindukusch und nach Indien". Vergeblich. Aus dem "goldverzierten überkuppelten Thronsaal" für Burg Falkenstein wurde nichts. Einen bizarren Import aus dem fernen Osten gab es dann aber doch: Ludwig hatte nämlich "das chinesische Hofzeremoniell eingeführt", sprach mit seinen Untergebenen nur noch durch Spanische Wände und ertrug kaum den Blick des Zahnarztes. Justament den Friseur beauftragte er mit der Regierungsbildung. Etc. etc. Das alles erfährt man wohl aus dem Buch von Robert Holzschuh, dessen eigentliche Neuigkeit aber die jüngst aufgefundenen Briefe des Königs an Karl Hesselschwerdt sind, in den letzten Jahren das "Faktotum in allen Bau-, Geld- und Liebesdingen". Man kann sich da, so Seibt, ein gutes Bild machen von den "erotischen Vorlieben" des schwulen Königs, die Seibt, im Vergleich zu seinen sonstigen Eigenheiten, eher "bodenständig" findet. Erzählt wird das alles jedoch vom Erwerber dieser Briefe, Robert Holzschuh, "eher anspruchslos".
2) Philipp Fürst von Eulenburg-Hertefeld "Das Ende König Ludwigs II."
"Literarisch glanzvoll" ist dagegen, wie Gustav Seibt findet, der Bericht des Fürsten Philipp von Eulenburg. Über die Anwesenheit der "Lustbuben" bei Hofe erfährt man da auch einiges, potenziell gefährlicher jedoch wären andere Informationen gewesen, wären sie denn an die Öffentlichkeit gedrungen: etwa die, dass sich Ludwig die Zustimmung zur Reichsgründung von Bismarck schnöde hatte abkaufen lassen. Und dass der wiederum aus schwarzen Kassen bezahlt hatte. Fürst Eulenburg weiß über all das genauestens Bescheid, ist auch vertraut mit dem Friseur, der die Regierung bilden soll. Am Tag nach dem Tod des Königs untersucht er die Stelle im Starnberger See, kommt, so Seibt, zum selben Resultat wie die neuere kriminalistische Forschung: Ludwig tötete Irrenarzt Gudden und brachte sich dann um. Eine traurige Coda enthält uns Seibt nicht vor: der Enthüllungsjournalist Maximilian Harden strengte 1906, im Kampf gegen Homosexuelle in Kaiser Wilhelms II. Umgebung, einen Sensationsprozess gegen den Fürsten Eulenburg an. Es war das Ende von dessen diplomatischer Karriere.
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