Deutschland ist ein Patient. Doch nicht der Körper ist krank, es ist die Seele. Seit 1989, als alle Werte plötzlich untauglich wurden, herrscht eine große Verunsicherung. Mit der Wiedervereinigung wurden alle Kategorien auf einen Schlag ungültig - Gleichheitsdoktrin des Ostens wie der Individualismus des Westens. Auch die vielbeschworene Formel von der "Berliner Republik" kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dem vereinigten Deutschland an Identität und Visionen mangelt. Die Unfähigkeit zur Zuversicht ist offenbar, sie liegt im kollektiven Bewusstsein seit 1945 begründet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2006
Er hat ja Recht, seufzt Manfred Koch nach der Lektüre von Richard Wagners Buch über den Niedergang Deutschlands. Wir leben über unsere Verhältnisse, brauchen neue Werte, weniger Toleranz gegenüber Islamisten und so weiter und so weiter. Aber warum müssen die Achtundsechziger an allem schuld sein, und warum müssen Wagners Beschreibungen - abgesehen von einigen gelungenen Ausflügen in die Satire - so "holzschnittartig" daher kommen, fragt der Rezensent. Koch schätzt die literarischen Werke Wagners durchaus, aber die "betuliche Empörung" mit der Wagner in diesem Buch über den politischen und moralischen Verfall Deutschlands räsoniere, hat ihm das "peinliche Gefühl vermittelt, eher die Ausführungen eines durchschnittlichen CDU-Kreisverbands-Vorsitzenden vor sich zu haben als den Essay eines für seine literarische Arbeit zu Recht anerkannten Schriftstellers."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.03.2006
Nein, dieses Buch hat Franziska Augstein nicht gefallen. Der Schriftsteller Richard Wagner legt darin seine Sicht auf deutsche Politik, Wirtschaft, Kunst und Geschichte dar, und mit wachsendem Zorn verfolgt die Rezensentin, wie Wagner gegen die hysterische Angstgesellschaft poltert, gegen maßlose 68er, die Friedensbewegung, die Spaßkultur, Werteverlust, mangelnde Vaterlandsliebe und linke Verschwörungstheorien. Augstein sieht hier selten Argumente wirken, sondern vor allem "reaktionäres Ressentiment" und "hämisch-auftrumpfende Unterstellungen", wie sie erbost schreibt, außerdem "historiografische Fehlurteile und bornierte Plattitüden". Nein. Nein. Nein.
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