Manfred Clemenz

Wir könnten nicht besser klagen

Ostdeutsche Lebensläufe im Umbruch
Cover: Wir könnten nicht besser klagen
Aufbau Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783351025083
Gebunden, 309 Seiten, 18,87 EUR

Klappentext

Die DDR wurde vor einem Jahrzehnt zur Fußnote in der Geschichte deklariert, ihre Symbole und Produkte landeten auf der Müllhalde. Und das Volk? Mit welchem Gepäck begab es sich auf die überstürzte Reise aus dem Staatssozialismus in den kapitalistischen Westen? Neun Ostdeutsche, Männer und Frauen im Alter von 21 bis 70 Jahren, erzählen von ihrer Lebenswelt vor und nach dem Systembruch: vom Arbeitsalltag, von Ehe- und Sinnkrisen, Wünschen, Phantasien, Konflikten mit Eltern und Kindern, Behörden, Vorgesetzten, Kollegen. Die auf Interviews basierenden Porträts stellen Klischees vom Ostler wie Westler in Frage.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2001

Von einer soziologischen Langzeitstudie seltsamer Machart berichtet Siegfried Stadler. Der Autor, Soziologe und Therapeut aus Frankfurt/Main, habe noch im November 1989 die Initiative zu dieser "Forschungsreise in ein fremdes Land" ergriffen. Losgeschickt hat er dann aber, so Stadler, überwiegend seine Studenten, die sich teilweise mit "laxen Antworten" abspeisen ließen. Der Meister selber habe dann die Interviews bloß sortiert (Typ 1 ist, wen wundert's?, der häufigste: Identifizierung mit der DDR) und bewertet. Spannend hätte es der Rezensent gefunden, wenn die Lebensgeschichten der Interviewpartner zumindest wirklich zu Gehör gebracht worden wären, dem stünden aber die ewigen Kommentierungen des Therapeuten im Weg. Die wortgetreue Transkription der Interviews mit jedem 'Äh' und 'eben" findet Stadler bloß noch albern.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Eine dünkelhafte, herablassende und bornierte Studie, die ihre Vorurteile durch den Schein der Wissenschaftlichkeit kaschieren möchte - so das vernichtende Urteil des Rezensenten Martin Ahrends. Er urteile zwar als Laie über die psychoanalytischen Erklärungsansätze, schränkt der Rezensent ein, aber dennoch lasse die Auswahl der durchweg "unsympathischen" Personen, die als Fallbeispiele einer nicht näher erklärten empirischen Studie vorgestellt werden, ebenso wie die diffamierende Wiedergabe der Gesprächprotokolle, die pseudoempirisch auch die kleinsten nonverbalen Äußerungen wiedergeben, auf die Absicht dieser Studie schließen: Bereits im Vorfeld ausgemachte mögliche psychosoziale osttypische Deformationen sollen belegt werden. Die vorgestellten Protokolle sind für den Rezensenten einzig für zukünftige Romanautoren von Interesse, denen es dann gelingen sollte, den Mythos psychoanalytischer Empirie in epischer Breite aufzulösen. Somit biete Manfred Clemenz nicht mehr als Vorarbeiten, die einer erzählerischen Bearbeitung noch harren; den wissenschaftlichen Versuch erklärt der Rezensent zumindest für völlig gescheitert.

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