Eine werdende Mutter, die einen Weg sucht für sich und ihr Kind, ein vom Krieg gezeichneter Heimkehrer, der kein Vater sein will - Reinhard Jirgls Debüt, 1990 noch in der DDR erschienen, doch in den Wirren der Wiedervereinigung untergegangen und im vereinten Deutschland nie wieder gedruckt, ist eine große, späte Entdeckung. In einer faszinierenden Textcollage entfaltet Jirgl die Geschichten von Margarete und Walter während der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs, der Nachkriegszeit und der Aufbaujahre der DDR. Der Roman enthält bereits die zentralen Themen, die auch das weitere Werk Jirgls bestimmen sollten: deutsche Zeitgeschichte und die Macht politischer Systeme über den Einzelnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2012
Dass dieser erste Roman von Reinhard Jirgl bei seiner Fertigstellung, damals, 1985 in der DDR nicht erscheinen sollte, weil er nicht marxistisch genug war, ist ein Grund, den Sabine Brandt natürlich nicht (mehr) nachvollziehen kann. Wenn es nach ihr ginge, hätte Jirgls Erstling nach seiner schlussendlichen Erstveröffentlichung 1990 allerdings nicht unbedingt eine Neuauflage verdient. Das Buch ist Brandt einfach zu düster. Keine Spur Hoffnung gönnt Jirgl der Leserin, dafür eine Wörterflut, die Brandt kaum bewältigt. Vor allem aber die unentrinnbare Verdammnis von Jigls Figuren, ihr Zwang, Schlechtes zu tun und zu denken, in allen erdenklichen Lebensbereichen, von jeher in ihnen und auf sie gekommen, lässt Brandt in Depression versinken.
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