Raymond Carver

Würdest du bitte endlich still sein, bitte

Erzählungen
Cover: Würdest du bitte endlich still sein, bitte
Berlin Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783827003324
Gebunden, 304 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Helmut Frielinghaus. Mit einem Vorwort von Richard Ford. Der erste, vom Autor selbst zusammengestellte Band mit Erzählungen liegt hier erstmals vollständig auf deutsch vor. 22 Geschichten über die Verlierer und Verlorenen der amerikanischen Gesellschaft.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.03.2000

Kolja Mensing wendet sich in seiner Besprechung des Bandes gegen ein Klischee, das über Carver von allen Klappentexten dröhne: Als "knapp" werde seine Prosa häufig geschildert - aber Mensing fällt ein anderes Epitheton ein: Er findet Carvers Prosa "geräumig" und bewundert gerade, dass Carver seinen Protagonisten einen gewissen Grad an Unbestimmtheit lässt, der es den Lesern erlaube, sich selbst in diese Geschichten hineinzuprojizieren. Mensing begrüßt, dass der Berlin Verlag anscheinend so etwas wie eine "stille" Werkausgabe plant, denn es scheint vom Autor noch eine Menge unübersetztes Material vorzuliegen. Als einziger Rezensent weist Mensing auch darauf hin, dass Carver seine ersten Erzählungen im "Esquire" veröffentlichte. Der dortige Redakteur, Gordon Lish, habe Carver das Kürzen beigebracht - dennoch bemerkt Mensing einen Unterschied zwischen den Erzählungen, die von Lish lektoriert wurden, und den Erzählungen, die Carver selbst herausbrachte. Frielinghaus` Übersetzung lobt Mensing für ihre große Treue zum Original.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000

"Erzählen, das lernt man hier wieder, heißt auslassen", schwärmt Reinhard Baumgart über die frühen Erzählungen Raymond Carvers, die in den USA bereits 1976 in einem Sammelband erschienen sind. Carvers Helden pflegten einen lakonischen, präzisen Stil, der das gerade Notwendige sage und die sich unmerklich auftuenden Risse, den plötzlichen Umschwung, die schleichende Gefahr im Leben seiner Figuren bloß andeute. Helmut Frielinghaus ist es gelungen, schreibt Baumgart, den trockenen Stil Carvers ins Deutsche zu übertragen. Richard Ford hat für die deutsche Ausgabe ein Vorwort beigesteuert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2000

Sibylle Cramer hat die Lektüre von Raymond Carvers kurzen Geschichten derart euphorisiert, dass ihr Gedanken philosophische Flügel, ihre Sentenzen mitunter allerdings germanistische Bleifüße bekommen. Zunächst in wenigen Sätzen Carvers Einordnung in den Kanon der Weltliteratur. Neben Tschechow und Beckett siedelt sie ihn an. Carver, dessen Geschichten "Edward Hoppers auf Objektivität dringende Bilder amerikanischer Einsamkeitswirklichkeit zum Sprechen" bringen. Dann wird in Ehrfurcht gejubelt, im Taumel interpretiert. Manche Formulierung gerät da ein wenig ins Unverständliche. Am Ende ist die Rezensentin wieder ganz bei sich: lobt die Übersetzung von Helmut Frielinghaus, den sie - zusammen mit einer vom Verlag geplanten Werkausgabe, an der er ebenfalls als Übersetzer beteiligt ist - als Glücksfall bezeichnet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2000

Verena Auffermann widmet den Erzählungen dieses 1988 verstorbenen Autors, der heute ein bisschen zur Ikone geworden sei, eine sehr ausführliche und genaue Besprechung. Zunächst weist sie darauf hin, dass ein Teil dieser Erzählungen bereits 1976 erschienen und dass sie hier in neuer Übersetzung vorliegen, die Auffermann trotz einiger geschraubter Wendungen als "knapper und präziser" bezeichnet. Damals, 1976, so Auffermann, seien Carvers Erzählungen in Deutschland kaum wahrgenommen worden - das habe sich erst nach dem Erfolg des Altman-Films "Short Cuts" und nach dem Bekenntnis Ingo Schulzes ("Simple Stories") zu dem Autor verändert. Auffermann bewundert in ihrer Rezension, wie präzise Carver das Milieu einfacher kleiner Verlierer in der amerikanischen Provinz schildere und mit wie wenigen Requisiten er in seinen Erzählungen auskommen. Er sei ein Erbe Hemingways, allerdings ohne dessen Machismo.
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