Lorrie Moore

Was man von einigen Leuten nicht behaupten kann

Stories
Cover: Was man von einigen Leuten nicht behaupten kann
Berlin Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783827003386
Gebunden, 352 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert. Ob Moore über eine zweitrangige Schauspielerin in ihren Dreißigern schreibt oder über eine menschenscheue Frau in der Ehekrise, die mit ihrer Mutter eine verstörende Reise nach Irland unternimmt, ob sie von einer Familie erzählt, deren Spannungen beim weihnachtlichen Scharadenspiel mit aller Deutlichkeit zu Tage treten - Lorrie Moore ist eine Meisterin des dunklen Witzes und zugleich eine Autorin, die ihre Figuren nie verrät, ihnen mit Wärme und Weisheit durch den oftmals verwirrenden Alltag folgt. "Was man von einigen Leuten nicht behaupten kann" ist eine beflügelnde Geschichtensammlung über das Außergewöhnliche unserer ganz gewöhnlichen Existenz. 16 Wochen stand Lorrie Moores Buch auf der amerikanischen Bestsellerliste. "Publishers Weekly" und "The New York Times" wählten es zum Buch des Jahres.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2000

Lorrie Moore neues Buch erzählt Geschichten über Menschen und ihre Enttäuschungen - die der Vergangenheit und die zukünftigen. Fast alle Erzählungen, erklärt Rezensent Thomas Laux, zeichnen sich durch einen melancholischen Grundton aus, denn Hoffnung auf eine Veränderung scheint es nicht zu geben, auch nicht, wenn eine "emotionale Schieflage" erkannt und nach Abhilfe gesucht wird, was der Rezensent vor allem bei Frauen "mittleren Alters" beobachtet. Alle Figuren seien nämlich "irgendwie gehandicapt", beispielsweise durch eine Neurose oder einen Tic. Laux gefällt, wie die Autorin gestörte Paarbeziehungen darzustellen weiß, ohne dabei in feministische Schemata abzugleiten oder mit langatmigen Erklärungen für das Scheitern einer Beziehung zu langweilen. Kurze Dialoge, Beobachtungen, keine Pointe, das zeichne den Stil Moores aus, was Laux zu Vergleichen mit den besten Erzählungen von Raymond Carvers, John Cheevers und Richard Bausch anregt. Er betont, dass Moore ihren Figuren trotz aller Sympathie keinen Weg aus der Krise zeigt. Vielmehr beobachte sie sie dabei, wie sie sich mit Aberglauben und Esoterik selbst belügen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2000

Dieter Hildebrandt vergleicht die amerikanische Short Story mit dem Jazz. So wie der Jazz einige Standards kunstvoll variiere, verfüge auch die klassische amerikanische Kurzgeschichte über feste Grundmotive. Besonders gern führten die Geschichtenerzähler Paare vor, am allerliebsten Ehepaare. Hildebrandt schickt seiner einleitenden Rede noch eine Definition hinterher: "Eine gute Story ist eine, die keine hat". Auf den Plot komme es nicht an, sondern auf die Schichten, die Gefühlsebenen darunter. Auch Lorrie Moore weiß ihre Geschichten dramaturgisch geschickt zu handhaben, sagt Hildebrandt. Jede Geschichte habe eine Art Trailer, der die Handlung im Vorgriff zusammenfasst. Bei Moore sind es dann aber keine Paare, die im Mittelpunkt stehen, sondern fast ausschließlich Frauen, Einzelkämpferinnen. Hildebrandt imponiert Moores Sprachwitz, der nicht albern, sondern hintergründig daherkomme, wie in der Geschichte von der Frau, die feststellt, dass man aus ihrem Namen das Anagramm "Allein" bilden kann, und seither versucht, sich gegen das ihr vorgeschriebene Schicksal zu stellen. Dass auch Moore aus der Schule des Creative writing hervorgegangen ist, sieht man für Hildebrandt an der Tatsache, dass sie für seinen Geschmack zu metaphernreich schreibt. Ein bisschen zuviel der Sprach- und Kunstfertigkeit, die nur einmal, in der Geschichte über die Krebserkrankung eines Kindes, so schroff aufgebrochen wird, dass Hildebrandt hier autobiografische Motive vermutet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.11.2000

Das Buch für die Reise ist uns vertraut. Dieses Buch aber ist "so gut wie eine Reise, und billiger", meint Margrit Irgang. Die Reise geht nach Amerika, und was wir sehen, sind Menschen, die der Sturm des Lebens herumwirbelt und die daran schließlich gefallen finden - weil sie ja keine Wahl haben. In einer Sprache "von äußerster Lakonie", die in der deutschen Übersetzung zugleich vielschichtig auf die Rezensentin wirkt, schildere die Autorin zuweilen "bitterböse", wie es im kleinen Horrorladen der menschlichen Beziehungen zugeht. Dass sie dabei Sympathie für ihre Figuren zeigt, scheint die Rezensentin für dieses Buch einzunehmen.
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