Ralph Dutli, Ossip Mandelstam

Mandelstam, Heidelberg

Gedichte und Briefe 1909-1910. Russisch-Deutsch
Cover: Mandelstam, Heidelberg
Wallstein Verlag, Göttingen 2016
ISBN 9783835318588
Gebunden, 192 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mit 40 bisher nicht übersetzte Gedichte des jungen Dichters Ossip Mandelstam - übertragen von Ralph Dutli. Und mit einem Essay Dutlis über deutsche Echos in Ossip Mandelstams Werk: "Ich war das Buch, das euch im Traum erscheint." Der 1891 in Warschau geborene, 1938 im Gulag bei Wladiwostok ums Leben gekommene russisch-jüdische Jahrhundertdichter Ossip Mandelstam, "ein moderner Orpheus" (Joseph Brodsky), hielt sich von Oktober 1909 bis März 1910 in Heidelberg auf. Dessen berühmte Universität war das Anlaufziel vieler Russen, die im Zarenreich vom Studium ausgeschlossen waren. Die in der Stadt am Neckar entstandenen Jugendgedichte nahm Mandelstam später nicht in seine Gedichtsammlungen auf, doch zeigen sie bereits viele Motive, die für sein Werk bedeutsam werden sollten. Der noch nicht einmal zwanzigjährige Dichter war auf der Suche nach seinem dichterischen Weg, seiner Beziehung zur Welt, zur Natur, zur Liebe. Mandelstams Jugendgedichte sind zarte sprachliche Gebilde von zuweilen erstaunlicher Reife und Tiefgründigkeit. Der Band enthält die sieben an die russischen Dichter Wjatscheslaw Iwanow und Maximilian Woloschin adressierten Briefe aus Heidelberg sowie erstmals sämtliche in Heidelberg und im Umkreis des Deutschlandaufenthaltes entstandenen vierzig Gedichte im russischen Original und in deutscher Übertragung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2016

Ulrich M. Schmid freut sich, dass der verdiente Mandelstam-Kenner, Biograf, Übersetzer und Herausgeber Ralph Dutli dem von ihm umfangreich edierten Oeuvre nun auch die Gedichte und Briefe aus den Jahren 1909 bis 1910 hinzufügt. Der Kritiker verdankt diesem Werk nicht nur erhellende Einblicke in Mandelstams Studentenzeit in Heidelberg, sondern zeigt sich auch erstaunt über die "Reife", die der Lyriker bereits in seinen frühen Gedichten beweist. Fasziniert liest Schmid hier darüber hinaus nach, wie sehr sich das "himmelstürmende Pathos" der frühen Gedichte von den zur gleichen Zeit verfassten, "zaghaften" Briefen an Maximilian Woloschin und Wjatscheslaw Iwanow unterscheidet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2016

Aufregend findet Rezensent Andreas Platthaus diesen Band mit den Heidelberger Gedichten Ossip Mandelstams in der Übertragung von Ralph Dutli. Dutli weiß, was er tut, versichert Platthaus, der dem Übersetzer auch verzeiht, dass er weitere Gedichte aus den Jahren 1909 und 1910 in den Band aufnimmt, die eindeutig nicht in Heidelberg entstanden sind, aber von Dutli inhaltlich wie stilistisch in dem Umkreis verortet werden, entstanden sie doch in der Zeit, die der damals 18-jährige Mandelstam als Student in Heidelberg verbrachte. Ein Gedicht von 1909 ist darunter, mit dem Mandelstam sich praktisch vom Symbolismus verabschiedete, erzählt Platthaus und zitiert: "Nichts, worüber sich zu sprechen lohnt, / Nichts zu lehren gibt es unterm Mond, / Wenn es keinen Sinn im Leben gibt, / Bleibt das Sprechen zwecklos und getrübt." Den großen Dichter Mandelstam erlebt der Leser hier in nachvollzogenem Reimschema - keine Einwände von Platthaus dagegen. Und Dutlis Kommentare zu lesen, ist für ihn eh immer ein Genuss. Für Platthaus ein Buch, dass literaturgeschichtlich erfrischende Spekulation und analytische Strenge wunderbar vereint.
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