Alfred Weber, Karl Mannheim und Norbert Elias: Drei große Namen stehen für die intellektuelle Neugierde und gedankliche Experimentierfreude der Sozial- und Staatswissenschaften an der Heidelberger Universität in den zwanziger Jahren. Hier verstand man sich, im Gegensatz zu den Kollegen in Frankfurt, bewußt nicht als "Schule". Reinhard Blomert schildert die Geschichte des Instituts und die Biographien seiner Mitarbeiter. Eine besondere Entdeckung ist der vollständig abgedruckte Entwurf zu einer Studie über die Geschichte der modernen Naturwissenschaften, an der Norbert Elias in Heidelberg arbeitete.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
Stefan Breuer schildert in seiner Rezension das Heidelberger für Sozial- und Staatswissenschaften als eine der bedeutendsten soziologischen Einrichtungen im Deutschland der Zwischenkriegszeit. Blomert widme sich dem Institut mit viel Forschungsaufwand und Sympathie. Hauptpersonen seien Alfred Weber (der Bruder des ebenfalls in Heidelberg lehrenden großen Max Weber) Karl Mannheim und ihr Schüler Norbert Elias, dessen Beeinflussung durch seine Lehrer Blomert überzeugend aufzeige. Ferner setze sich Blomert mit der Karriere Arnold Bergstraessers nach der Machtübernahme der Nazis auseinander. Am Ende seines "materialreichen" Buchs stelle Blomert die Frage, warum sich aus Alfred Webers Institut keine "Schule" etwa im Sinne der Frankfurter Schule entwickelt habe. Rezensent Breuer hat da seine eigene These: Weber sei "Grand Seigneur und Plaudertasche" gewesen, seine eigenen Werke wiesen "klaffende Lücken" auf und hätten für die Bildung einer Schule nicht genug Bestand.
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