Hitlers blutrünstige Rache an allen, die von dem Putsch-Versuch am 20. Juli 1944 wussten, ist Allgemeinwissen. Weniger bekannt ist, wie schwer es nach Kriegsende diejenigen hatten, die ihr entgehen konnten. Für diese Opfer der Nazis kämpfte bereits ab Herbst 1945 das "Hilfswerk 20. Juli 1944" um ideelle und finanzielle Anerkennung. So sammelte es emsig Spenden im In- und Ausland für die Witwen und Nachkommen der ermordeten Widerständler. 1952 kam eine Einigung mit der Bundesregierung auf eine jährliche "Dotation" zustande, die freilich kärglicher ausfiel als die Wiedergutmachung von NS-Unrecht in anderen Fällen und deshalb viel Kritik hervorrief. Auch die heute so selbstverständlichen jährlichen Gedenkfeiern zum 20. Juli sind der Arbeit des Hilfswerks zu verdanken. Dabei drängte es jedoch anders orientierte Gruppen des Widerstands im Nationalsozialismus zunehmend an den Rand. Rainer Volk zeichnet zum 80. Jahrestag der Gründung des Hilfswerks ein auf den Akten basierendes plastisches Porträt des sehr diskret arbeitenden Netzwerks mit seinen enormen Verdiensten und bisher wenig beleuchteten Schattenseiten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2025
Viel Neues lernt Rezensent Joachim Scholtyseck nicht aus diesem Buch. Rainer Volks Band über das "Hilfswerk 20. Juli 1944", das sich um die Belange der Hinterbliebenen des Hitler-Attentats vom 20.7.1944 kümmerte sowie teils auch in erinnerungspolitischen Diskussionen aktiv war, basiert nämlich, lesen wir, weitgehend auf einer Dissertation Barbara Liers aus dem Jahr 2020, die Anzahl an neu hinzugekommenen Erkenntnissen ist überschaubar und betrifft vor allem Details der Finanzierung des Hilfswerks. Volk und Lier erzählen die Geschichte des Hilfswerks nach, es geht unter anderem um die verschiedenen Interessen, die sich in der Organisation bündelten, um die materielle Versorgung von Hinterbliebenen, die Rehabilitierung des vorher teils als Verrat gebrandmarkten Widerstands in den 1950ern und um die zunehmenden Konflikte auch zwischen verschiedenen Generationen von Hilfswerkmitarbeitern in den 1960ern und 1970ern. Mit wenigen Ausnahmen steht all das schon bei Lier, betont der Rezensent abschließend noch einmal, wirklich notwendig war Volks immerhin flüssig journalistisch geschriebener Band nicht, wobei es andererseits nicht schaden kann, diese sehr interessante Geschichte lebendig zu halten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.08.2025
Rezensent Robert Probst bespricht Rainer Volks Buch über das "Hilfswerks 20. Juli 1944" positiv. Diese bis 1994 aktive Organisation hatte es sich zum Ziel gesetzt, den Hinterbliebenen der Widerstandskämpfer um Stauffenberg materielle Hilfe und Anerkennung zukommen zu lassen - beides gelang nicht zuletzt aufgrund des unermüdlichen Einsatzes der Geschäftsführerin Renate von Hardenberg. Probst geht entlang der Lektüre auf einige Aktivitäten des Hilfswerks ein. Genau recherchiert ist diese Arbeit, lobt der Rezensent, dem auch die anschauliche Form der Darstellung gefällt - nicht zuletzt geht die Veröffentlichung, bei aller dominierenden Hochachtung für die Leistungen des Hilfswerks, auch auf externe und interne Streitereien, sowie den manchmal auch problematischen Anspruch der Lobbygruppe ein, für den Widerstand insgesamt zu sprechen.
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