Die Attraktivität der Mitteleuropa-Idee in den 80er Jahren resultierte daraus, dass sie zum einen an die Traditionen eines erst durch den Ost-West-Konflikt zerstörten, geschlossenen Kulturraums erinnerte, und zum anderen mit einem konkreten modernisierungstheoretischen Konzept aufwarten konnte, das mit der Theorie der Zivilgesellschaft einen weder über den Markt (West) noch über den Staat (Ost) vermittelten Weg sozialer Integration vorstellbar machte. Die Mitteleuropa-Idee konnte aber selbst nicht dauerhaft für eine Konstruktion kollektiver Identität sorgen. Dies ist vor allem der unspezifischen Bestimmung der europäischen Mitte geschuldet. Angesichts der Osterweiterung der Europäischen Union ist für den Autor jedoch durchaus eine Aufspaltung Europas in einige große Regionen denkbar und damit eine mögliche Renaissance der Mitteleuropa-Idee.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2002
Im Zentrum von Rainer Schmidts Studie steht nach Rainer Hoffmann die Entwicklung der sogenannten Mitteleuropa-Idee. In seiner sehr knapp gehaltenen Besprechung referiert der Rezensent die wichtigsten Punkte von Schmidts Studie. Hoffmann hebt insbesondere hervor, dass die Mitteleuropa-Idee, die vor allem von Dissidenten und Oppositionellen aus Ungarn, Polen und der Tschechoslowakei propagiert worden war, vor dem Hintergrund des Ost-West-Konflikts als "Hilfskonstruktion zur Selbstverständigung oder als Vehikel zur Formulierung und zur Vermittlung alternativer sowohl geopolitischer als auch gesellschaftlicher Ordnungsvorstellungen" fungierte. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, hatte die Mitteleuropa-Idee ausgedient. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2001
Michael Salewskis Reaktion auf das Buch über Mitteleuropa ist Betrübnis. Da es sich zu seinem Bedauern um eine rein "ideengeschichtlich orientierte" Untersuchung des politischen Begriffs Mitteleuropa handelt, wird zwar die Vorstellung eines starken, mächtigen Mitteleuropa über Friedrich Naumann, Carl Schmitt und Hitler nachvollzogen, aber zur Enttäuschung des Rezensenten gelingt es dem Autor nicht, die "entscheidenden Diskurse" der letzten Zeit nachzuvollziehen. Dadurch könne eine "tiefere Auseinandersetzung" mit dem Thema nicht stattfinden, moniert Salewski. Ebenfalls auf sein Unverständnis stößt die Tatsache, dass der Autor die Problematik der Mitgliedschaft in NATO und UN besonders für die ehemaligen Ostblockstaaten nicht erwähnt. Charakteristisch für die Untersuchung findet der Rezensent die außerordentliche Zurückhaltung Schmidts, von ihm gebrachte Zitate auch zu kommentieren und die Weigerung, die Frage nach einem Mitteleuropa ohne Deutschland zu diskutieren. Dass schließlich der Name Adenauers, den der Rezensent in dieser Debatte erwartet hätte, nirgends auftaucht, wundert Salewski am Ende nicht mehr.
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