Wer das Leben bestehen und wer das Glück spüren will, braucht Bücher. In seiner Überlebensbibliothek schreibt Rainer Moritz über Romane, die die Macht haben, uns und unser Leben zu verändern, die uns in allen möglichen Lebenslagen den besten Freund ersetzen oder den Therapeuten. Mit Julien Greens "Adrienne Mesurat" warnt Moritz vor den Schrecken des Familienlebens und rät mit Philip Roths »"Das sterbende Tier" zu Sex im Alter, während er Dorfgeschädigten Arnold Stadlers "Mein Hund, meine Sau, mein Leben" ans Herz legt. Wer beabsichtigt, mit seiner Mutter zusammenzuleben, lese Jelineks "Klavierspielerin", wer lebenslängliches Liebesglück nicht für Kitsch hält, "Saturday" von McEwan. Und wer nicht die Zeit hat für alle dicken Bücher aller Autoren, nehme von Mann "Das Eisenbahnunglück" oder eben: "Die Überlebensbibliothek".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.01.2007
Den Autor bezeichnet Volker Breidecker liebevoll als "personifizierte Bücherschlange". Dass er was findet an Rainer Moritz' Ein- und Auslassungen zur Literatur, daran lässt Breidecker indessen auch keinen Zweifel. Und so durchsucht er die 70 Romane und Erzählungen enthaltende literarische Hausapotheke von Anfang an auch nach ihrem selbstironischen Potenzial. Und wird fündig bei einem Autor, der Literatur weder als Allheilmittel begreift noch einem MRR in Sachen Kanon Konkurrenz machen möchte. Das passt dem Rezensenten gut. So zwischen postuliertem Praxisbezug der Leserei und seiner Infragestellung, da kann er's aushalten.
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