Mit zahlreichen S/W-Abbildungen. Seit den sechziger Jahren hat das "Buchstäbliche" als "Literalism" Konjunktur (in der Diskussion der Minimal Art und vor allem als "Grammatologie" bei Jacques Derrida). Dieses Buch zeigt, dass das "Buchstäbliche" als prinzipielle Voraussetzung der ästhetischen Moderne schon 200 Jahre früher zugrunde gelegt und reflektiert worden ist. Tatsächlich taucht der Begriff schon bei Goethe und den Schlegel-Brüdern auf - in einer Verwendung, die jener der längst etablierten Moderne entspricht. Schon um 1800 steht das "Buchstäbliche" für den Eigensinn des Signifikanten, für eine Desintegration der künstlerischen Äußerung von lebenspraktischen Zusammenhängen und insgesamt für eine Selbstbezüglichkeit des sprachlichen und bildnerischen Materials, die das Kunstwerk als Solitär dastehen lässt: Die künstlerische Äußerung ist, was sie ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2005
Gabriele Hoffmann spricht Rainer Metzger ein dickes Kompliment aus. Sein Buch "Buchstäblichkeit" findet sie "brillant geschrieben", überdies "reich an kunstwissenschaftlichen Entdeckungen". Und "es weckt die Lust an der Lektüre kunstphilosophischer und literarischer Texte". Man kann also sagen: Besser geht's eigentlich nicht. Das Einzige, was Hoffmann vermisst, ist eine Bemerkung darüber, ob Metzgers Kunstbegriff auch für die "jüngste Moderne" noch zutrifft. Dieser Kunstbegriff des Wiener Experten lässt keinen Zweifel daran zu, dass moderne Kunst der Auslegung bedarf, denn gerade ihre Auslegungsbedürftigkeit macht sie zu moderner Kunst. Die Trennung von bloßem Ab-Bild der Dinge und einem geistigen Darüberhinaus führt Metzger bis zu Goethe und den Frühromantikern zurück. An diesem Punkt der Kulturgeschichte, so Metzger, ist die Kunst entstanden. Vorher gab es lediglich Kunstwerke, die, in ein festes Gerüst von Religion, Mythologie und Politik eingepasst, für sich sprachen. Mit dem Zusammenbruch der stabilen Fundamentalgewissheiten entstand die Notwendigkeit von Kunst, entstand die universale Idee von Kunst, also eines Gefüges von Diskursen, die Sinn stiften, wo keiner mehr ist. Ein weiterer Gewährsmann des Verfassers ist Hegel, dessen berühmte Definition vom "sinnlichen Scheinen der Idee" genau dieses Mit- und Ineinander von "zeitgebundener Phänomenalität" und "zeitloser Idee" beschreibt, wie Metzger meint. Spannend fand Hoffmann auch, wie der Kunsthistoriker Eduard Manets nachgelassenes Gemälde "Bar aux Folies-Bergere" seziert.
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