Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2001
Die Rezension von Henning Köhler befasst sich mit zwei Bänden zum Thema Zwangsarbeit in und um Berlin. Sie stellen sich, wie er anmerkt, einer doppelten Aufgabe: zum einen der genauen Erfassung von Zwangsarbeit, zum anderen der Einarbeitung der Erkenntnisse in "den Stand des Wissens über das KZ-System". 1.) Rainer Kubatzki: "Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager" Dieser Band ist, so Köhler, ein "einzigartiges Kompendium", das bis ins Detail darstellt, wer wann und in welchem Umfang Arbeitslager in Berlin und dem Umland betrieben hat. Das Ergebnis: Es gab Lager unterschiedlichster Art und Größe. Zwar waren die "Groß- und Rüstungsindustrie", Siemens und AEG werden genannt, prominent vertreten, der Einsatz in Betrieben und Behörden der "öffentlichen Betreiber" überstieg diesen Bereich aber im Umfang. Insgesamt gilt, so Köhler: Ohne die massive Zwangsarbeit hätte sich "nicht einmal der dürftige Kriegsalltag" aufrechterhalten lassen. 2) Meyer/Neitmann: "Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Berlin und Brandenburg" Der zweite Band fasst die "sehr unterschiedlichen" Beiträge einer Tagung zusammen. Der Rezensent interessiert sich am meisten für die Texte zum "Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen und jüdischen Zwangsarbeitern" und fragt, ob die allgemeine Auffassung von der "Vernichtung durch Arbeit" pauschal gültig bleibt. Der Aufsatz von Hermann Kaienburg weise auf "große Unterschiede" hin und betone, dass die "Sterbequote" umso höher war, je stärker die SS beteiligt war. Eine andere Studie zeigt, so Köhler, dass etwa die Heinkelwerke, ein Rüstungsbetrieb in Oranienburg, nur durch den massiven Einsatz von KZ-Häftlingen ihren Betrieb aufrecht erhalten konnten.
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