Pierre Michon

Wintermythologien

Cover: Wintermythologien
Wallstein Verlag, Göttingen 2026
ISBN 9783835360204
Gebunden, 132 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort und aus dem Französischen übersetzt von Wolfgang Matz. Die Erzählungen dieses Bandes beschwören die Zeit der Frühchristianisierung herauf, als Heidentum und Christentum eng miteinander verflochten waren, als Mönche Klöster gründeten in zum Teil unwirtlichen Gegenden, auf Inseln oder in den Sümpfen. Kleine Lebensläufe sind es, die hier präsentiert werden, kleine Bruchstücke des Lebens von Menschen in einer Umgebung, die sich auch durch seine Brutalität auszeichnet - erzählt in einer monumentalen Sprache, in monumentalen Bildern, in einer geradezu mythischen Überhöhung des Schreibens selbst. Eine überaus kraftvolle Sprache, ob sie die Lust des Fleisches erhebt oder denjenigen, der der Macht verfällt, in verhängnisvolle Wut stürzt. Für Pierre Michon gibt es keinen Bruch zwischen dem Leben eines Mönchen aus dem 10. und dem Leben eines Archäologen aus dem 19. Jahrhundert: Sie alle haben die gleichen Leidenschaften, das gleiche Elend, die gleiche Größe, die uns eigen ist. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.01.2026

Fasziniert bespricht Rezensent Peter Urban-Halle Pierre Michons neues Buch, das eine Reihe von Legenden enthält, die allerdings auf historischen Quellen basieren. Im mittelalterlichen Irland, aber auch im Frankreich des 19. Jahrhundert sind die Geschichten angesiedelt. Es geht um Könige, die zu Waldmenschen werden, Königstöchter, die sich das Leben nehmen, um Gott zu begegnen, und um Triumphe, die sich hinterher als Niederlagen erweisen. Einfach zu lesen, so Urban-Halle, ist Michons eigenwillige Sprache nicht, aber man kann sich an den endlosen Sätzen dieses Buches durchaus berauschen. Auch, dass Michon aufs Moralisieren verzichtet und einfach nur versucht, kleinen, ungeschriebenen Leben einen Raum zu geben, imponiert dem Rezensenten. Abschließend erwähnt Michon zwar ein paar Verbindungslinien zu Faulkner und anderen Autoren, stellt aber klar: Letztlich ist die Wucht dieser Prosa unvergleichlich.
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