Aus dem Niederländischen von Christiane Kuby. Es ist 1953. Eldert Haman tritt eine Arbeitsstelle als Lehrer an in einem katholischen Internat. Bald schon überredet ihn Vater Benedictus, dem Kloster beizutreten und alles Weltliche aufzugeben. Eldert, ein Moralist und überzeugter Pädagoge, entscheidet sich für das Kloster - und gegen die attraktive Patricia, die ihn vor die Wahl zwischen mönchischem Leben und der Liebe stellt.
Im Kloster wird er mehr und mehr zum Außenseiter, der mit ansehen muss, wie nicht nur ein Mönch psychische und sexuelle Gewalt gegen die Schüler ausübt. Gefangen in der Komplizenschaft mit einem diktatorischen System und in Angst um seine Zukunft, gerät Eldert in ein Dilemma, aus dem ihn nur Patricia retten kann.
Zwischen internen Machtkämpfen, pervertierten Weltansichten und Liebeseskapaden sucht Eldert nach einem Weg in eine bessere und für ihn "richtige" Zukunft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016
Zwei niederländische Romane, die einiges gemeinsam haben, stellt Volker Breidecker vor: Jeroen Brouwers' "Das Holz" und A.F.Th. van der Heijdens "Das Biest". Beide handeln von sexuellem Missbrauch und seinen Folgen, beide spießen das engherzige katholische Milieu der niederländischen Nachkriegsgesellschaft auf, beide pflegen einen flamboyanten spätbarocken Stil und beide sind glänzend übersetzt, befindet Breidecker. Brouwers "Das Holz" erzählt zwar vom sexuellen Missbrauch von Kindern in einer katholischen Einrichtung. Man liest den Roman aber anders, so Breidecker, wenn man weiß, dass Brouwers selbst in einem solchen Internat erzogen worden war. Seine Mutter, die 1943 nach der japanischen Invasion in Indonesien mit ihrem Sohn in einem Gefangenenlager interniert wurde und wie alle Frauen massiver körperlicher und sexuelelr gewalt ausgesetzt war, hatte ihn nach der Ankunft in den Niederlanden dort hingegeben, erzählt Breidecker. Brouwers verzieh ihr das nie. Der Roman schildert detailliert, "pornografisch und zotig" die Demütigungen und Misshandlungen, die die Kinder über sich ergehen lassen müssen, so der Rezensent. Ihm imponiert die Sprachgewalt Brouwers, dessen Gleichsetzung von Katholizismus mit Faschismus schadet dem Roman jedoch, findet er. Als hätte es in protestantischen Einrichtungen keinen Kindesmissbrauch gegeben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2016
Roman Bucheli findet den Roman von Jeroen Brouwers alles andere als geschmacklos, obgleich der Autor hier eine mehrfach gespiegelte Passionsgeschichte vorlegt, die an Grauen nichts zu wünschen übrig lässt, wie er erklärt. Im repressiven Milieu einer niederländischen Klosterschule im Jahr 1953 arrangiert der Autor laut Bucheli einen Mikrokosmos aus Eros und Gewalt. Parabolisch verbunden mit der Karwoche und der Kollaboration der Niederländer mit den Nazis wenige Jahre zuvor zwingt die Geschichte den Rezensenten zwar in die Rolle des Komplizen und führt ihn als Leser an die Grenze des Erträglichen, doch Duktus, Tempo, Bildlichkeit und Dramaturgie der Geschichte erscheinen ihm derart meisterlich, dass er es geschehen lässt.
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