Pierre Drieu la Rochelle

Die Komödie von Charleroi

Erzählungen
Cover: Die Komödie von Charleroi
Manesse Verlag, Zürich 2016
ISBN 9783717523963
Gebunden, 288 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andrea Spingler und Eva Moldenhauer. Mitarbeit: Thomas Laux. Lebenshunger und Todessehnsucht, patriotische Gefühle und Desillusionierung: Pierre Drieu la Rochelles Erzählungen spiegeln die innere Zerrissenheit des streitbaren Autors wider. Einer, der sich romantisch nach Heldentum sehnte, beschreibt hier die Absurdität des Ersten Weltkriegs und die schmerzliche Orientierungslosigkeit der Heimkehrer. Madame Pragen, eine ehrgeizzerfressene Pariser Witwe, hat 1914 ihren schmächtigen Sohn in den Krieg geschickt, um einen Helden aus ihm zu machen. Er fiel in den ersten Tagen während eines bedeutungslosen Scharmützels im belgischen Charleroi. Im Jahr 1919 nutzt nun seine Mutter einen Besuch des Schlachtfelds, um sich vor den provinziellen Honoratioren der Stadt als Grande Dame zu inszenieren. In "Der Hund der Heiligen Schrift" brüstet sich ein junger Veteran mit Verdun. Doch in der Kinoreihe vor ihm sitzt ein ehemaliger Kamerad. Drieu la Rochelles zynische Lässigkeit, sein stetiges Abtasten der Realitäten, die umso drastischer wirkende Überzeichnung einzelner Figuren: Diese Prosastücke bieten einen schillernden Rückblick auf das Schlüsselerlebnis einer irrlichternden Generation.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.07.2016

Robert Miessner empfiehlt die Lektüre von Pierre Drieu la Rochelles "Die Komödie von Charleroi". Zum einen, da er den Autor für einen begnadeten Stilisten hält, der Prosa mit "Drive und Rhythmus" schreibt. Zum anderen, weil dieser Text von Anmaßung und Absturz handelt, von einem Denken im Krieg, am Scheideweg, den der Autor selbst vom Surrealismus in Richtung Faschismus verlässt, wie Miessner im gleichfalls lesenswerten Nachwort erfährt. Das Buch erzählt laut Rezensent von den Möglichkeiten der Wahl, von einem Denken, das problematisch geworden ist, aber noch nicht unausweichlich.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.05.2016

Tilman Krause findet den faschistischen Dandy Pierre Drieu La Rochelle auf abstoßende Weise interessant. In den nun auf Deutsch vorliegenden Erzählungen erkennt er ein Kriegsbuch wie kein zweites, abgebrüht, schonungslos. Und Lichtjahre weg vom Sinnstifter Jünger wie vom Antikriegspathos eines Remarque, findet Krause. Die sechs Novellen, aus denen die Komödie besteht, lassen für Krause keinen Zweifel, dass der Autor den Krieg für absurd hält, auch wenn er sich teilweise daran berauschte. Mit dieser Zerrissenheit ist der Autor für den Rezensenten übrigens ganz Kind seiner Zeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2016

Rezensent Andreas Haarmann gibt zu, dass ihm eine eindeutige Einordnung von Pierre Drieu la Rochelle weiterhin nicht gelingen will. Auch nach der Lektüre der hier versammelten und laut Rezensent brillant übersetzten Novellen. Als brennenden Freund des Krieges, den er für viele darstellt, möchte er ihn aber aufgrund dieser Texte nur noch teilweise bezeichnen. Seine Fronterfahrungen im Ersten Weltkrieg schildert der Autor hier nämlich durchaus facettenreich, meint Haarmann, mal mittels Leitmotiven wie Heldentum und Tapferkeit, dann wieder, indem er die Bestialität und Sinnlosigkeit des Mordens schonungslos zeigt. Vor allem die genauen Schilderungen sozialer Spannungen im Heer findet Haarmann bemerkenswert. Das insgesamt schillernde Bild des Autors und seiner Texte scheint dem Rezensenten attraktiv. Über Drieu la Rochelles ideologische (Irr-)Wege erfährt er Näheres im Nachwort des Bandes.
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