Philippe Claudel

Brodecks Bericht

Roman
Cover: Brodecks Bericht
Kindler Verlag, Reinbeck bei Hamburg 2009
ISBN 9783463405551
Gebunden, 336 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Christiane Seiler. Ein kleines Dorf im deutsch-französischen Grenzgebiet, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Außenseiter Brodeck lebt hier zurückgezogen mit seiner Familie. Als er eines Abends in das Wirtshaus geht, trifft er dort auf die Dorfgemeinschaft, die gerade kollektiv einen Fremden ermordet hat. Dieser Fremde, von allen nur "der Andere" genannt, war ein weit gereister Gelehrter: Sein Wissen, seine Fähigkeiten und seine Andersartigkeit machte den Menschen Angst, schürte ihr Misstrauen, brachte sie gegen ihn auf. Brodeck ist entsetzt. Er möchte nichts damit zu tun haben. Doch die Männer, allen voran der Bürgermeister und Schweinezüchter Orschwir, drängen ihn, einen Bericht zu verfassen. Er, der schreiben kann, der davon lebt, die Pflanzenwelt der Region zu katalogisieren, der sogar eine Maschine zum Schreiben hat, soll erklären, wie es zu der Tat kommen konnte. Brodeck hat keine Wahl: Er muss den Auftrag annehmen. Doch je mehr er von den Umständen erfährt, desto klarer wird ihm, dass er kein Verständnis für das Verbrechen aufbringen kann. So wird er selbst allmählich zur Zielschreibe ihrer Drohungen...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2009

Als Parabel auf die "Wiederholbarkeit von Geschichte" liest Rezensent Thomas Laux diesen Roman von Philippe Claudel. Er schätzt den Autor als Experten für psychische Abgründe, kaschierte Lügen und zwischenmenschliche Verwerfungen. "Brodecks Bericht", ein Roman um eine verschworene Dorfgemeinschaft, die kollektiv einen Mord zu tarnen sucht, und einen selber traumatisierten Dorfbewohner, der darüber schreibt, ist für Laux ein düsteres Buch, das "unangenehme Wahrheiten" anspricht. Dabei hält er es für unerheblich, dass Claudel Phänomene des Faschismus wie Kollaboration, Lager, "Säuberungen" oder Pogrome in einen fiktionalen Zusammenhang stellt und gleichsam enthistorisiert, um auf die nie ganz gebannte Gefahr der Wiederholung des Unmenschlichen zu verweisen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2009

First things first: Dies ist, betont Joseph Hanimann, ein wichtiges Buch. Eines, das in Frankreich bereits für viel Aufsehen gesorgt hat und das in seiner Bedeutung sowohl Jonathan Littells "Wohlgesinnten" als auch Michel Tourniers "Erlkönig" wenig nachsteht. Wobei es bei Philippe Claudel, dem "wahrscheinlich interessantesten Autor seiner Generation" in Frankreich, nicht um historisch konkrete Ereignisse geht. Vielmehr bleibt unklar, wo seine Geschichte eines doppelten Berichts aus Nachkriegszeiten angesiedelt ist. Ein Mann schreibt auf - und zwar in abweichenden Fassungen - wie ein "Fremder" von Dorfbewohnern umgebracht wird. Vom ersten Satz an, so Hanimann, ist die Atmosphäre "bedrückend". Die Kunst Claudels bestehe dabei eher im Unterschwelligen und Nebensächlichen, im "peripheren Blick" auf die so umso bedrohlicher erscheinenden Geschehnisse. Leicht getadelt wird, bei allem Lob für den Autor, die Übersetzerin, die sich zu viele Freiheiten nimmt.
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