Aus dem Italienischen von Karin Rother. Herbst am Po: Das Wasser steigt, der Fluss tritt über die Ufer. Dörfer werden evakuiert, nur die Alten im Circolo Nautico lassen sich nicht vertreiben. Und sie allein sehen, wie der Lastkahn des alten Tonna führungslos den Fluss hinuntertreibt. Während sich am Po die Alten auf die Suche nach Tonna machen, stürzt dessen Bruder in Parma aus dem Fenster eines Krankenhauses in den Tod. Zufall? Commissario Soneri mag nicht daran glauben. Doch er tappt mit seinen Ermittlungen im Dunkeln, da kann ihm auch seine Geliebte Angela, die Staatsanwältin, nicht helfen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2005
Wer einen "sinnlichen Kriminalroman mit historischem Tiefgang" sucht, der ist mit Valerio Varesis "Nebelfluss" gut bedient, meint Steffen Richter. Das Buch folge der bewährten Rezeptur, die dem literarischen Krimi in Italien seit den Neunzigern wachsende Erfolge beschert. Ein regionaler Schauplatz, hier das Gebiet um den Po bei Parma, eine historische Verknüpfung - die alte Feindschaft zwischen Kommunisten und Faschisten - und einen Kommissar mit ausgeprägten Eigenheiten. Auch wenn Varesi nicht die Vielschichtigkeit der Triest-Krimis von Veit Heinichen erreiche, lasse er an "Spannung und atmosphärischer Dichte nichts zu wünschen übrig". Richter ist zufrieden und hält selbst die "literarische Holzschnitttechnik", derer sich Varesi etwa in der Charakterschilderung seines Ermittlers bedient, für genrebedingt und damit nicht nur für gerechtfertigt sondern sogar "notwendig".
Ach, italienische Krimis! Immer kocht der Kommissar oder denkt über's Essen nach, und immer hat er eine schwierige Ex oder zickige Freundin, fasst Brigitte Werneburg ihren Unmut über die italienischen Kommissare zusammen. Auch Valerio Varesis Krimi weist diese Zutaten auf, doch diesmal stört es die Rezensentin nicht. Denn anders als viele Krimiautoren beherrsche Varesi sein Handwerk: Er "liefert glaubwürdige Dialoge, die der Geschichte die nötige Würze geben und sie dabei ohne Eile, aber doch erfreulich dynamisch in ihrem Fortgang vorantreiben", lobt Werneburg. Auch die Welt, die Varesi beschreibt, findet sie anschaulich geschildert. Seine Geschichte über eine späte Rache, die in bis in die Zeit des Faschismus zurückführe, sei eingebettet in ein " überzeugend geschildertes Landschaftsgemälde der norditalienischen Poebene, das auch ein Historiengemälde ist".
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