Lungentuberkulose macht blaß, traurig und interessant - sie beflügelt den Geist und die Begierden wachsen. Benn und Keats schrieben Gedichte darüber. Der jüdische Arzt Friedrich F. Friedmann (1876-1953) weihte sein Leben der Heilung der Krankheit. Mit einem Serum aus lebenden Keimen infizierter Schildkröten gewann er größte Aufmerksamkeit, auch Thomas Mann gehörte zu Friedmanns Bewunderern. Zunächst von bedeutenden Gelehrten unterstützt, darunter auch Robert Koch, wurde er später als "Geschäftsmann" diffamiert und von der nationalsozialistischen Schulmedizin aus Deutschland vertrieben. Er floh nach Monte Carlo und praktizierte weiter. Berlin, Leipzig, Monte Carlo und Washington, das Buch folgt seinen Spuren. Die Seuchen kehren zurück und auf der Suche nach neuen Methoden zur Bekämpfung der Tuberkulose werden auch Friedmanns Ideen wieder diskutiert. Professor Kaufmann, Direktor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie, stellt in seinem Essay den Bezug her zum heute erschreckend aktuellen Tuberkuloseproblem.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.07.2002
Rezensent Arno Orzessek zeigt sich recht angetan von Petra Werners Biografie über den jüdischen Arzt und Tuberkuloseforscher Friedrich F. Friedmann (1876 - 1953), der sich und andere täuschte, als er behauptete, Heilung und Ausrottbarkeit der Tuberkulose nachgewiesen zu haben. Für ihre Arbeit über Friedmann hat die Wissenschaftshistorikerin im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, in zwölf weiteren Archiven und (erstmals) im privaten Friedmann-Nachlass in Monte Carlo recherchiert und die Schauplätze von Friedmanns Schaffen besucht, berichtet Orzessek. Er hebt hervor, dass die Autorin trotz einiger Anflüge von Kitsch die wissenschaftshistorische Perspektive fest im Blick behält. Dank sorgfältiger Archivarbeit kann Werner nach Ansicht des Rezensenten mit dem Fall Friedmann zugleich die Berliner Wissenschaftspolitik vor und nach dem Ersten Weltkriegs erhellen.
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