Die "Blocos Afros", Karnevalsgruppen aus Salvador/Bahia im Nordosten Brasiliens, haben entscheidende Bedeutung für den Aufbau einer neuen schwarzen Identität im Land mit der größten dunkelhäutigen Bevölkerung weltweit nach Nigeria: In den letzten 20 Jahren sind sie in ganz Brasilien zur Avantgarde der Afro-Brasilianer geworden im Kampf gegen den Rassismus. Musikalisch und ästhetisch bieten sie neue Identifikationsmuster an, die sich sowohl an den afrikanischen Wurzeln als auch am globalen schwarzen Universum orientieren - von den afrikanischen Göttern bis zu Nelson Mandela und Bob Marley. Kinder und Jugendliche lernen in den Projekten der "Blocos Afros" nicht nur Trommeln und Tanzen, sondern auch Englisch, einen Computer zu bedienen, oder machen berufsvorbereitende Kurse, wie sie das formale Bildungssystem nicht anbietet. Dem herrschenden weißen Ideal der brasilianischen Gesellschaft setzen sie eine neue schwarze Kultur und Ästhetik entgegen.
Lauter Lob hat Rezensent Julian Weber für dieses Brasilien-Buch, das ihn mit seinem "differenzierten Geschichtsbild" ebenso überzeugen kann, wie mit einem mutigen Blick auf Brasiliens "komplexe Gesellschaftsstrukturen". Auch sei das Buch der Volkswirtin und Brasilianistin für Laien ebenso interessant, wie für Spezialisten, findet Weber, da es nicht nur eine Studie sei, sondern gleichzeitig ein lebendiges Bild dieses Landes zeichne. Interessant findet der Rezensent vor allem Petra Schaebers Entschlüsselung kultureller Codes. Aber auch ihre ausführlichen Schilderungen der vielfältigen Formen afroamerikanischer Kultur begeistern ihn sehr. Zu Herzen nimmt er sich auch die Aufforderung der Autorin, dass sich Europa stärker mit den brasilianischen Erfahrungen von Rassismus und Ghettoisierung, sowie der wachsenden Schere zwischen arm und reich befassen solle.
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