Petra Morsbach

Geschichte mit Pferden

Roman
Cover: Geschichte mit Pferden
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783821808918
Gebunden, 330 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Nele ist eine einfache, aber eigenwillige Frau, und sie ist schon jenseits ihrer besten Jahre, als ihr Leben kurz vor der Rente noch einmal eine entscheidende Wendung nimmt: Sie muß die liebgewonnene Stellung in einem Altenheim aufgeben und wird Köchin auf einem großen Reiterhof. Mit Mißtrauen und Ablehnung, aber auch mit wachsender Neugier und Souveränität folgt sie den Irrungen und Wirrungen der Hauptpersonen einer ihr unbekannten Welt...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.11.2002

Richtig begeistert ist Martin Luchsinger von Petra Morsbachs dritten Roman. Und doch kann der Rezensent auf Anhieb gar nicht sagen, worin für ihn "der eigentümliche Reiz" dieser Geschichte liegt. Denn - wie er an verschiedenen Stellen seiner Rezension bemerkt - dieser Roman folgt ziemlich einfachen Formeln und läuft in einigen Bereichen Gefahr, gleichförmig zu werden - zum Beispiel durch die Tagebuchform. Doch die Stärken dieses Buches verhindern dies nach Meinung des Rezensenten. Beeindruckt ist Luchsinger zunächst einmal davon, wie es der Autorin gelingt, "einen Mikrokosmos so detailgenau und lebensnah zu schildern" und nebenbei spannende, aussagekräftige Exkurse in die Vergangenheit der Erzählerin, einer alten Köchin auf einem Reiterhof in der norddeutschen Provinz, zu machen. Dabei gefällt ihm vor allem, wie psychologisch stimmig diese Exkurse sind und welches erzählerische Potential dahinter steht: "Brisanter noch sind die Abschnitte, die den Blick in eine andere Richtung lenken, weg von der Wahrnehmung des Allgemeinen hin zu einer Individualisierung des Typisierten". Den klaren Blick der Protagonistin auf ihre eigenes Leben und das der anderen findet Luchsinger auf jeden Fall bewundernswert und staunt, dass daraus keine Bitterkeit, sondern "eine ungewöhnlich offene und nüchterne Selbstbetrachtung" folgt. Sein beeindrucktes Fazit lautet: der Roman ist "nur vordergründig unspektakulär, formal von konsequenter Schlichtheit und im Grundton von bodenlosem Pessimismus."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2001

"Dieses Buch sollen Frauen lesen", findet Verena Auffermann - denn es handelt von Frauen, die vor Männern kapitulierten. Vor der Kulisse eines "schleswig-holsteinischen Reiterhofes" lässt die Autorin zwei Frauen ihren Alltag verrichten, der unterschiedlicher nicht sein könnte, so die Rezensentin: Die eine schreibt Tagebuch "mit klugen Reflexionen" und ist dazu erzogen, "als Mutter und Hausfrau zu dienen", so Auffermann. Die andere hingegen werde als schöne "Illustrierten-Existenz" beschrieben. Freilich läuft diese Darstellung im Roman auf die Frage hinaus, wer von den beiden Frauen gewinnt, berichtet die Rezensentin. Die Autorin lasse zwar kein Klischee aus - aber "Klischees sind schön", so die Rezensentin, die in diesem Roman Stoff für eine Vorabendserie sieht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2001

Für Martin Ebel geht von diesem Roman der "überwältigende Eindruck aus, genauso sei das Leben". Die Geschichte ist im Reitermilieu angesiedelt und erzählt von den Besitzern eines Reiterhofes, die ihre zahlenden Gäste betrügen und ausnehmen, wo es nur geht; selbst der Putzfrau wird das Geld noch vom Teller geklaut, erzählt der Rezensent. Martin Ebel findet das Buch derart realitätsnah, dass er zögern würde, seine Töchter in die Reiterferien zu schicken. Lobend hebt er die Sorgfalt im Detail hervor, die Gestaltung der Figuren und die Erzählperspektive, die zwischen Innen- und Außenperspektive gekonnt abwechsle. Ein Buch, das es verdient gelesen zu werden, da es Antworten auf die Frage nach dem "Warum" sucht, so Martin Ebel.
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