Christian Saehrendt

Gefühlige Zeiten

Die zwanghafte Sehnsucht nach dem Echten
Cover: Gefühlige Zeiten
DuMont Verlag, Köln 2015
ISBN 9783832197902
Gebunden, 254 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Die Utopie von einem echten, wahren Leben treibt uns um - manchmal in erschreckend abgedroschenen Phrasen. Von Shabby-Chic über Extremsport bis Rückzug - wir sind auf der Jagd nach dem echten Gefühl. Die einen ziehen sich in ihre Eigenheim-Idyllen zurück, heiraten in einem Traum von Weiß und pflegen ihren Dialekt. Die anderen suchen ruhelos das Glück in der Ferne - mithilfe von Eventtourismus oder gar im militärischen Kampf für das vermeintlich Gute. Christian Saehrendt sucht nach der Kraft hinter all diesen paradoxen Fluchtbewegungen - und stellt fest: Wir leben in einer Epoche der Neo-Romantik, die wie vor gut 200 Jahren als Folge einer tiefgreifenden Entfremdung zu verstehen ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2015

Rezensent Oliver Pfohlmann hat Christian Saehrendts Zeitgeistdiagnose offenbar mit einigem Gewinn gelesen, etliche Formulierungen des Kunsthistorikers webt der Rezensent in seine Besprechung ein. So mache der Autor eine "Sehnsucht nach Geschichtlichkeit" in der heutigen, medialisierten Welt aus, die sich in Phänomenen wie Vintage-Wahn und Retro-Schick äußere - zugleich aber eine "Sehnsucht nach dem Echten", der vielbeschworenen Authentizität. Scheinbar wahrhaftige Ereignisse wie Hochzeiten würden exzessiv zelebriert, Pilgerreisen erfreuten sich neuer Beliebtheit. "Kenntnisreich" und "desillusionierend" stelle Saehrendt seine Diagnose, befindet der Kritiker und lobt vor allem das letzte Kapitel. Hier zeige der Autor Parallelen auf zwischen der Kriegsbegeisterung junger Männer vor einhundert Jahren und jenen Jugendlichen, die sich heute dem IS anschließen. Dass Saehrendt für eine Entromantisierung plädiert, überrascht Pfohlmann nicht, letztlich gipfele das Buch in einem "fröhlichen Zynismus".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2015

So wenig ist noch echt und ursprünglich in dieser Welt, dass wir nach Authentizität lechzen, fasst Shou Aziz die Kernaussage von Christian Saehrendts "Gefühlige Zeiten" zusammen. Der Autor beschreibt dieses Bedürfnis nach Echtheit als Rückkehr der Romantik und prophezeit den neuen Romantikern eine herbe Enttäuschung angesichts der Klittertendenz des Kapitalismus, berichtet die Rezensentin. Leider bleibt Saehrendt selbst allenfalls oberflächlich, bedauert Aziz. Die Beispiele für den diagnostizierten Authentizitätswahn sind zwar unterhaltsam, aber die kulturpessimistische Lesart des Autors ist bei weitem zu einseitig, erklärt die Rezensentin, die sich auch ein paar mehr Worte Saehrendts darüber gewünscht hätte, was er denn eigentlich unter Romantik verstehe.

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