Peter Stanford

Der Teufel

Eine Biografie
Cover: Der Teufel
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783458170419
Gebunden, 386 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Peter Knecht. So vielfältig wie die Namen (Beelzebub, Luzifer, Satan u. a.), so vielfältig sind auch die Bilder, die sich der Mensch in Religion, Literatur und Kunst vom Teufel gemacht hat. Wie jede ordentliche Biografie beginnt auch die des Teufels bei seinen Vorfahren. Bereits die Religionen Ägyptens, Mesopotamiens und Kanaans, aber auch die griechische Kultur hatten maßgeblichen Einfluss auf das jüdisch-christliche Konzept vom Teufel. Die Welt war belebt von Dämonen als den Vorgängern Satans, der sich im Alten Testament mehr und mehr von seinen Ursprüngen emanzipierte, bis er in der Apokryphenliteratur und im Neuen Testament schließlich als gefallener Engel Gestalt erhielt. Stanford verfolgt den Weg des Teufels durch die Jahrhunderte und seine Indienstnahme durch die Theologen, die ihn zu einer unverzichtbaren Instanz im Christentum machten. Mit dem wissenschaftlichen Fortschritt wurde der Teufelsglaube brüchig, ohne jedoch seine Macht zu verlieren. Das Problem des Bösen ist auch durch die Psychologie nicht beseitigt worden, und im Untergrund der modernen Gesellschaft lebt der Teufel weiter.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.03.2001

H. G. Pflaums Besprechung dieser "Biografie" ist zwiespältig: Er kann ihr einiges abgewinnen, hat aber auch Schwächen entdeckt. Als "aufschlussreichsten" Teil der Studie bezeichnet er die Darstellung der historische Entwicklung der Figur Satans, die der englische Autor, bis in die vorchristliche Zeit zurückverfolgt. Doch stellt der Rezensent fest, dass sich Stanford, der selbst eine katholische Erziehung genossen hat und also mit dem Teufel einigermaßen vertraut sein dürfte, mitunter von der "Fülle des Materials überwältigen" lässt und sich über die additive Aufzählung von Teufelsbildern hinaus zu keinerlei analytischen Schlüssen mehr aufschwingen kann. Hier werde der Leser etwas allein gelassen, meint Pflaum, und auch die Übersetzung steuere zur Verwirrung bei, indem sie manchmal unpräzise oder gar unverständlich bleibe. Dennoch findet der Rezensent, dass die Darstellung alles in allem "spannend" ist und es freut ihn, dass auch nach dieser Biografie noch ein "ungeklärter Rest" bei der Gestalt des Teufels bleibt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2001

Der Teufel läuft Gott zur Zeit den Rang ab, stellt Ludger Lütkehaus fest. Was sei Jack Miles monumentale Biografie über "Gott" gegen die sechsbändige Ausgabe des Teufelsforschers Jeffrey Burton Russel? Auch der britische Historiker Stanford hat eine Biografie über die schwarze Eminenz geschrieben, für Lütkehaus mit "einem letzten Hauch von Provokation", denn schließlich suggeriere eine Biografie eine geordnete Vita mit Anfang und Ende - ein Ende sei aber laut Stanford, den Ex- und Noch-Katholiken, für den Teufel noch lange nicht in Sicht. Das Buch ist eingängig geschrieben, zudem humorvoll, gesteht der Rezensent: Im Kern der Aussage halte Stanford an den Glaubensgrundsätzen der Diaboliker fest und variiere die alte These vom Teufel als "Entlastungsinstanz und Sündenbock". Lütkehaus fehlt eine inhaltliche Bezugnahme auf die Philosophie, die sich in letzter Zeit verstärkt mit der Frage des Bösen beschäftigt habe. Lütkehaus schlägt daher die offizielle Einführung der "Kakologie oder Malologie als Teildisziplin einer metaphysischen Güter- und Wertelehre" vor. Teufelsphilosophen voran!

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.11.2000

Etwas spröde widmet sich Krischan Schroth der "Biografie" des Teufels des britischen Journalisten Peter Stanford. Der ehemalige Klosterschüler habe eine zu 99 Prozent rationale Geschichte der Erscheinung und Deutung des Teuflischen geschrieben, der er sich sowohl historisch als auch mythologisch zu nähern versuche, so der Rezensent. Vom ägyptischen Unterweltgott Anubis über den griechischen Gott Pan, den biblischen Luzifer bis zur Verteufelung des Papstes durch die Katharer untersuche Stanford das Erscheinungsbild des Teufels. Daneben habe er sich auch die Frage nach dem Bösen gestellt, die heute angesichts der Austreibung des Teufels durch Aufklärung und Wissenschaft ganz neu gestellt werden müsse. Der Rezensent kritisiert vorsichtig, dass der Autor, eben weil er eine Fülle von Material zusammengetragen habe, zum Beispiel die Motivgeschichte des Teufels in der Literatur zu knapp abhandele.
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