Seit es Menschen gibt, wird geklatscht. Als die geschwätzige Schlange Adam und Eva am Baum der Erkenntnis verführte, war das der Anfang einer unendlichen Klatschgeschichte: von den alten Ägyptern, die hieroglyphische Klatschinschriften hinterließen, bis zum Mythos der Klatschgöttin Fama; von den mittelalterlichen Waschplätzen, an denen die Frauen öffentlich die schmutzige Wäsche "klatschten", bis zu den großen Klatscherzählungen der Moderne wie dem Tod Lady Dianas oder der Lewinsky-Affäre. Heute verleiht das Internet dem Klatsch eine ganz neue Qualität: In Wikis, Blogs und sozialen Netzwerken lassen sich beliebige Themen beliebig verbreiten. Nie zuvor konnten so viele Menschen so viele andere Menschen erreichen, Communitys bilden, Geschichten verbreiten, kurz: miteinander klatschen. Christian Schuldt beschreibt die zentrale Rolle, die Klatsch generell für die Gesellschaft spielt, und die Wandlungen, die diese archaische Kulturpraxis auf ihrem Weg ins 21. Jahrhundert erlebt hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2009
Glaubt man Christian Schuldt, sorgt Klatsch, wie die Fellpflege unter Affen, für den Zusammenhalt der Gruppe und befördert die soziale und kulturelle Entwicklung, teilt Oliver Pfohlmann mit. Wenn der Autor, studierter Literaturwissenschaftler und Soziologe und Redaktionsleiter von Brigitte.de, wie der Rezensent verrät, allerdings in seinem enthusiastischen Schlusswort imaginiert, dass gesellschaftlicher Klatsch womöglich sogar den Klimawandel aufzuhalten vermag, ist Pfohlmann doch skeptisch. Überhaupt findet er die Schuldt'sche Definition von Klatsch ziemlich weit gefasst, um nicht zu sagen schwammig, denn für den Autor fällt unter Klatsch neben dem Austausch intimer Indiskretionen auch die Gemeinschaftsarbeit am Betriebssystem "Linux" oder das Netzwerk "Opus Dei". Trotzdem ist er dem Autor interessiert durch seine Geschichte des Klatsch von der Antike bis in die Gegenwart des Web 2.0 gefolgt und lobt den schmalen Band als sachverständig und Gewinn bringend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009
Zufrieden zeigt sich Rezensent Jörg Thomann mit dieser Kulturgeschichte des Klatsches von Christian Schuldt. Dem Autor gelingt es in seinen Augen überzeugend, Funktionen und Motive des Klatsches wie etwa soziale Kontrolle und Orientierung, Beziehungsstiftung und Imagebildung zu schildern. Generell attestiert er ihm eine Aufwertung des Klatsches, die ihm durchaus nachvollziehbar scheint. Allerdings fasst Schuldt den Begriff des Klatsches seines Erachtens zu weit. Außerdem moniert er, dass der Autor durch den Versuch der Aufwertung des Begriffs diesen mitunter verwässert. Gleichwohl fällt das Urteil des Rezensenten positiv aus: eine "kompakte, anspruchsvolle und anschauliche Einführung in das Wesen des Klatsches".
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