Peter Schneider

Die Lieben meiner Mutter

Cover: Die Lieben meiner Mutter
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2013
ISBN 9783462045147
Gebunden, 304 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Jahrzehntelang haben ihre Briefe aus der Kriegs- und Nachkriegszeit ungelesen im Schrank gelegen. Als Peter Schneider sich endlich entschließt, die in Sütterlin geschriebenen Briefe seiner Mutter transkribieren zu lassen, stößt er auf eine unglaubliche Geschichte - eine offene Dreiecksbeziehung. In ihren Gedanken und ihren Briefen war sie beim fernen Ehemann, einem Komponisten und Dirigenten - und bei ihrem Geliebten, einem bekannten deutschen Opernregisseur, der in den Nachkriegsjahren mit aufsehenerregenden Inszenierungen Furore machte. Aus ihren Briefen und seinen Erinnerungen rekonstruiert Peter Schneider seine Kindheit und entwirft das vielschichtige Porträt einer faszinierenden Frau, die ohne Rücksicht auf die Konventionen der Zeit ihren Leidenschaften folgte und viel zu früh starb.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.07.2013

Reif für so ein Buch scheint Peter Schneider der Rezensentin Ursula März. Aus der Flut der autobiografischen, die Kindheit des Autors durchmessenden Literatur ragt Schneider mit der skrupulösen Erkundung der während der NS-Zeit entstandenen Korrespondenz seiner Mutter mit ihrem Liebhaber für März weit heraus. Indem Schneider den Sehnsüchten seiner Mutter nachspürt, zeichnet er das Psychogramm einer ihm Unbekannten. Für März ist es ein tragisches Schicksal, das der Autor literarisch souverän fasst und das vor dem historischen Hintergrund des Nationalsozialismus exemplarisch wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.07.2013

Tief bewegt berichtet Judith von Sternburg über dieses Buch, in dem Peter Schneider - nach jahrzehntelangem Zögern, wie sie erzählt - ein Konvout von Briefen seiner früh verstorbenen Mutter wieder öffnet, umständlich entziffert (Sütterlin!) und in eine Form gießt, die Sternburg die unmittelbare Nachkriegszeit plastisch vor Augen stellt. Es ist das "restlos Unmanierierte" des Buchs, die Nüchternheit des Stils, die Schneider eine solche Rückhaltlosigkeit erlaubt, es sind die Briefe der Mutter selbst, deren Sprache und Intensität so beeindruckend sind: Schneider habe das Buch geschrieben, das so viele seiner Generation zu schreiben träumten, so Sternburg: "Aber nur einem Schriftsteller ist das möglich."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2013

Peter Schneiders Buch über die ebenso leidenschaftliche wie letztlich vergebliche Liebe seiner Mutter zu einem Operndirektor, die sie in einer offenen Dreierbeziehung zu leben versuche, hat Andreas Kilb sichtlich bewegt. Er liest das Werk nicht als einen Roman, erst recht nicht als einen Schlüsselroman - obwohl die Namen und Daten der realen Protagonisten nur wenig verändert wurden. Er sieht darin in erster Linie eine auf den Briefen von Schneiders Mutter basierende Doppelbiografie des Sohnes und seiner viel zu früh verstorbenen Mutter, die in den Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit gegen viele Widerstände vier Kinder aufzog und ernährte und an ihrer Sehnsucht zugrunde ging. Die tragische Geschichte der Mutter Schneiders und dessen eigene Kindheitsgeschichte in der bayerischen Provinz der Nachkriegszeit findet Kilb in "Die Lieben meiner Mutter" eindrucksvoll miteinander verwoben. Sein Fazit: ein mitreißendes, berührendes und trauriges Buch.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.06.2013

Hingerissen zeigt sich René Hamann von Peter Schneiders Buch "Die Lieben meiner Mutter". Daher ist er gern bereit, das Werk gegenüber Kritikern, die den Autor auf seine Rolle als Chronist der 68er festnageln wollen, in Schutz zu nehmen. Die Frage, was die Geschichte der leidenschaftlichen, offen gelebten, aber tragischen Liebe von Schneiders Mutter zu einem Freund ihres Mannes mit der "sexuellen Revolution" von '68 verbinden könnte, ob diese Liebe skandalös oder fortschrittlich ist, interessiert ihn eigentlich weniger. Er liest das Buch als packende und einfühlsame "Psychogeschichte einer Mutter", die in den schweren Zeiten des Krieges und der Nachkriegszeit an ihren Gefühlen festhält und darüber depressiv wird. Zugleich erzählt der Autor in seinen Augen spannend von seiner eigenen "lustig-beengten" Kindheit in einem bayerischen Dorf in den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren.