Peter Schäfer unterzieht die seltenen, aber viel und kontrovers diskutierten Passagen über Jesus im Talmud einer neuen Prüfung. Nicht die verschütteten Fakten, die sich aus ihnen ableiten lassen (oder auch nicht), sondern die historischen Aussagen dieser Texte über das Verhältnis des Judentums zum aufkommenden Christentum sind Gegenstand der durch sorgfältige Textanalysen abgesicherten Untersuchung. Entgegen bisherigen Erkenntnissen formulierten die Rabbinen nach Schäfer im babylonischen Talmud eine kraftvolle und selbstbewusste Gegenerzählung zum Bericht des Neuen Testamentes, die sie in dieser Form nur unter den relativ freiheitlichen Bedingungen im Sassanidenreich wagen konnten, während die christliche Herrschaft in Palästina von Anbeginn mit der Unterdrückung der Mutterreligion einherging.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2008
Einen nüchternen Blick wirft Lorenz Jäger auf Peter Schäfers Untersuchung der Passagen über Jesus, die sich im Talmud finden. Die verschiedenen, auf Jesus Bezug nehmenden Aussagen des Talmud deute der Judaist als eine der jüdischen Selbstvergewisserung dienende "Gegengeschichte", die ein recht negatives Bild von Jesus ergebe. Jäger bescheinigt dem Autor, gelegentliche "kühnere Hypothesen" und philologisch "gewagtere Lesungen" auch als solche auszuweisen. Schäfers Interpretationen der entsprechenden Jesus-Stellen (Jesus als Bastard oder missratenen Sohn) referiert er, bezieht aber keine Stellung dazu. Sein Fazit: ein Buch, das "Berührungsängste provoziert".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2008
Zurückhaltend betrachtet Rezensent Ekkehard W. Stegemann dieses Buch über "Jesus im Talmud", das der in Princeton lehrende Judaist Peter Schäfer vorgelegt hat. Den Versuch des Autors, aus verstreuten Jesus-Texten in den unterschiedlichen Versionen des Talmud ein "Gegenevangelium" zu destillieren, wertet er als "gewagte Neuinterpretation der Quellen". Recht kleinteilig, aber theologisch höchst versiert argumentierend äußert Stegemann sich skeptisch im Blick auf die Plausibilität dieser Interpretation. Nichtsdestoweniger hält er dem Autor zu Gute, der Forschung "wichtige neue Denkanstöße" zu geben. Ausdrücklich nimmt er ihn dabei in Schutz vor Beifall von der falschen Seite, welche Schäfers Darstellung der Kritik an der Person Jesu, die sich im Talmud findet, begierig als Argumentationshilfe für ihre Judenfeindschaft nutzt.
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