Klaus Berger

Jesus

Cover: Jesus
Pattloch Verlag, München 2004
ISBN 9783629008121
Gebunden, 704 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Klaus Berger ist der "große alte Mann" der Jesusforschung. Hier legt er die Summe seiner lebenslangen Forschung vor. Christen wie Skeptiker wird das Buch dazu herausfordern, sich mit der Urgestalt des Christentums ganz neu zu beschäftigen. Der Sprengstoff: Bis heute ist unklar, welche Jesusworte wirklich von Jesus sind und welche nachträgliche Erfindungen der Jünger sind. Das öffnete Ideologen, die alles und jedes in Jesus hineinlasen, Tür und Tor. Berger brandmarkt die Scheuklappentheologie der Rationalisten, für die es "Wunder" nicht geben darf. Und er schreibt "das erste postmoderne Jesusbuch", indem er "Mystik" als gleichwertigen Erkenntniszugang zu Jesus einfordert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2005

Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Klaus Berges umfangreiches Jesus-Buch bei Rezensent Hermut Löhr hinterlassen. Skeptisch zeigt er sich gegenüber dem Ansatz Bergers, der sich von der kritischen Bibelwissenschaft distanziert, um stattdessen eine postmoderne Jesus-Darstellung zu geben. Was für Berger unter anderem bedeutet: "Bis zum Erweis des Gegenteils sind die neutestamentlichen Berichte (im Sinne der Historiker) als historisch wahr anzunehmen." Während Löhr in diesem Punkt doch deutlich anderer Ansicht ist als der Autor, freut er sich andererseits über die Fülle von "zutreffenden Einsichten", die geeignet seien, populäre Missverständnisse über Jesus zu beseitigen. Generell scheint dem Rezensenten hier eher ein Prediger als ein Wissenschaftler am Werk zu sein. Ein Prediger aber darf nach Ansicht von Löhr "verkürzen, zuspitzen, provozieren". Und oft genug gelingt es Berger fremde und anstößige biblische und theologische Rede, etwa von Sünde, Leiden und Gericht, so zu entfalten, dass sie den Leser heute ansprechen und treffen, lobt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.12.2004

Sehr inspirierend fand Eckard Nordhofen offensichtlich das neue Buch des "knorrigsten Theologen des Landes", Klaus Berger, die Lektüre von "Jesus" hat ihn zu allerlei exegetischen Detailfragen angeregt. Der Rezensent macht es den Lesern dabei nicht gerade leicht, seiner Zwiesprache mit Bergers Text zu folgen. "Was macht Berger mit den Wundern?" fragt er und wendet sich damit einer Kernfrage des Buchs zu. Sind die biblischen Wunder wörtlich zu nehmen? Berger meine: entweder man bekennt sich zu Rationalität und Empirie und glaubt nicht daran oder "man achtet den offenen mystischen Kontext Jesu". Der Autor, so erklärt sein Exeget Nordhofen, plädiere für Mystik, die davon ausgehe, dass die Wirklichkeit umfassender sei als naturwissenschaftlich feststellbar. "Verbilligende", rationale Erklärungsversuche, mit denen die Wundererzählungen plausibel erscheinen sollen - Maria war eine junge Frau, keine Jungfrau - lehnt der "wichtigste Metakritiker der Exegetenzunft" ab. Reizvoll findet der Rezensent nun die Frage, ob der Mystiker Berger etwa ein Revisionist sei, der dem von Rudolf Bultmann betriebenen Programm der "Entmythologisierung" eine Remythisierung entgegenzusetzen sucht. Die Antwort überlässt er lieber den Lesern, die er dem Buch wohl zahlreich wünscht, schließlich diene das Buch des "Aufmischers" Berger dem "intellektuellen Vergnügen". Letztlich habe sich der Autor in seiner Verteidigung der Mystik aber auf den falschen Feind eingeschossen: "Ist wirklich die Aufklärung am Siechtum des Christentums schuld?" Im Gegenteil, findet Nordhofen: Das Christentum sei eine Religion der Moderne und könne sich eine harte Bibelkritik leisten.
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