Sie haben ihn geholt, kurz vor Sonnenuntergang, die Anklage lautet auf Hochverrat und Sabbatschändung, das Urteil Tod durch Steinigung. Im Krebsgang zieht sein Leben an ihm vorbei. Immer ist er im Schatten Jesu gestanden - seines Bruders. Er hat ihn geliebt und gegen ihn angekämpft, er hat ihn verspottet und um ihn geweint. Sehr spät erst ist er ihm gefolgt. Suggestiv erzählt Nikolaus Glattauer von Freundschaft, Verrat, Liebe; von Macht und Opfer der Frauen, wie Maria und Maria Magdalena, und den gewaltsamen Toden jener, ohne die es das Christentum nicht gäbe.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2003
Der Blick, den Rezensent Samuel Moser auf die heilige Familie wirft, lässt diese alles andere als heilig erscheinen. Die Familienverhältnisse werden als wirr und kompliziert vorgeführt, ja ein älterer Bruder Jesu tritt auf, von dem in der traditionellen Überlieferung nie die Rede war. Dieser Stoff hätte eine gute Komödie hergegeben, und dass Glattauer dennoch die ernsthafte Auseinandersetzung mit den überlieferten Figuren gewählt hat, findet Moser positiv. Nur so könne der Autor viele Fragen im Zusammenhang mit der christlichen Geschichte thematisieren, und Jakobus, der unterschlagene ältere Bruder Jesu, wird in diesem Roman zum Kritiker des Gottessohnes, verrät Moser.
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