Peter Reichel

Glanz und Elend deutscher Selbstdarstellung

Nationalsymbole in Reich und Republik
Cover: Glanz und Elend deutscher Selbstdarstellung
Wallstein Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783835311633
Gebunden, 381 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Der kriegerische Kampf Deutschlands um seine national staatliche Einheit hat den Deutschen viel und der Welt noch mehr zugemutet. Fünf verschiedene politische Systeme sind in gut einhundert Jahren ausprobiert und verschlissen worden. Revolutionen, Weltkriege, Gewaltverbrechen, Besatzungsherrschaft und Teilung waren der Preis, unser Land aus expansionistischer Aggression und politischer Regression herauswachsen zu lassen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ist Deutschland ein zivilisierter und fest integrierter Partner der Staatengemeinschaft geworden. In der Geschichte der symbolischen Selbstdarstellung Deutschlands sehen wir in das Spiegelbild einer Nation, die mehr als drei Generationen gebraucht hat, in diesem Sinne politisch erwachsen zu werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2013

Nahezu nur Lob hat Rainer Blasius übrig für Peter Reichels Versuch, Glanz und Elend deutscher Selbstdarstellung festzuhalten. Zwar hätte er sich eine großzügigere Bebilderung gewünscht. Meisterhaft wie pointiert aber scheint ihm Reichels Annäherung an Hymnen, Feiertage, Trikolore und Adler und die denkbaren Kritikpunkte und Alternativen. Dass die "Topografie des Terrors" etwa als nationaler Gedächtnisort der Bundesrepublik schlechthin gelten könne, wie der Autor zu bedenken gibt, leuchtet Blasius offenbar ein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2013

Das Parlando des Autors scheint Helmut König nicht so recht zum Thema zu passen. Statt argumentativer Analyse und begriffskritischer Reflexion bekommt König viel Material um die Ohren gehauen: Nationale Ordnungssymbole vom Vormärz bis heute, Hymnen, Feiertage, Denkmäler etc. Worin die Rolle dieser Symbole besteht, lernt er hier nicht. Und wo Argumente den Rezensenten vielleicht von der Brauchbarkeit oder Entbehrlichkeit bestimmter Rituale und Symbole überzeugt hätten, liefert Peter Reichel ihm nur Urteile.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2012

Stefan Reinecke schätzt den Historiker Peter Reichel als Spezialisten für die politische und historische Symbolik, und auch dieses Buch hat er mit Gewinn gelesen. Kenntnis- und pointenreich rekapituliere Reichel das harte und nicht immer geglückte Ringen um eine angemessene Symbolpolitik, wobei er den Bogen souverän vom Hambacher Fest über das Deutschlandlied bis zu Willy Brandts Kniefall schlägt. Reichels Helden sind die pragmatischen Männer der Mitte, bemerkt Reinecke, kann das aber gelten lassen. Womit er nicht ganz einverstanden ist, sind die recht schroffen Verdikte zur Reichtagskuppel und zum Holocaust-Mahnmal sowie das "monochrome" Bild der DDR-Geschichtspolitik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012

Stephan Speicher ist mit Peter Reichels Darstellung der deutschen Nationalsymbolik ganz und gar nicht zufrieden. Der emeritierte Professor der Politikwissenschaft in Hamburg bringt unter dem staubigen Titel "Glanz und Elend deutscher Selbstdarstellung" darin nicht wirklich Neues zutage, murrt der Rezensent. Dazu findet er die Gliederung nach einzelnen Symbolen anstatt nach ihrer Chronologie deshalb problematisch, weil er sich damit auf den Signifikant konzentriert und das Signifikat dabei in den Hintergrund tritt. Was Speicher bald durchschaut ist des Autors kritische Haltung gegenüber der ganzen "deutschen Staatssymbolik", die er "nicht ernst nimmt" und worauf er immer wieder herumhackt. Nicht zuletzt Reichels Insistieren auf dem 9. November als Staatsfeiertag anstelle des 3. Oktober findet der Rezensent rechthaberisch, unangemessen, nervig und streberhaft und besonders erbost ihn hier, dass der Autor die entschiedene Ablehnung des damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Ignaz Bubis, einfach nicht akzeptiert.
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