Peter K. Wehrli

Katalog von allem

1111 Nummern aus 31 Jahren
Albrecht Knaus Verlag, München 1999
ISBN 9783813501346
Gebunden, 415 Seiten, 22,96 EUR

Klappentext

Die Fahrt im Orient-Express von Zürich nach Beirut dauerte 1968 noch fast eine Woche. Als der Zug aus dem Bahnhof Zürich rollte, merkte Peter K. Wehrli plötzlich, daß er seinen Fotoapparat zuhause vergessen hatte. Nach anfänglicher Wut über sich selbst kam ihm die Idee, die Erinnerungsbilder statt mit der Kamera nun mit den Mitteln der Sprache anzufertigen. Alles, was ihm auffiel, alles, was er fotografiert haben würde, wenn er die Kamera dabei gehabt hätte, bildete er nun mit Wörtern ab. Und weil man ein fotografisches Bild durch den einmaligen Druck auf den Auslöser erzeugt, mußte er sich folgerichtig das Gesetz auferlegen, jeden Gegenstand, den er fotografiert hätte, in einen einzigen Satz zu fassen. So entstand der "Katalog der Dinge, die ich fotografiert hätte, wenn ich meine Kamera nicht vergessen hätte".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2000

Anfangs schien Gennaro Ghirardelli die Idee recht spannend zu finden, eine Reise nicht mit der Kamera zu dokumentieren, sondern Schnappschüsse mit Worten anzufertigen. Und für so manche der Blitzlichter Wehrlis kann sich der Rezensent auch durchaus begeistern, etwa wenn der Autor Szenen aus einem Eisenbahnabteil festhält oder andere zufällige Begegnungen. Doch all dies ist dem Rezensenten offenbar recht bald langweilig geworden: "Lähmende Eintönigkeit" bescheinigt er dem Großteil des Bandes, insbesondere, weil Wehrli nach und nach von seinem ursprünglichen Konzept abweicht und die Reiseschilderungen eher den Charakter eines Tagebuchs bekommen. Damit dieses auch für Außenstehende interessant bleibt, hätte Wehrli - nach Ansicht Ghirardellis - jedoch mehr aus dem Privaten heraustreten müssen. Außerdem geht ihm die moralisierende Haltung des Autors spürbar auf die Nerven, der sich als "weitgereister Intellektueller von altachtundsechziger Prägung" erweise. Auch einige "stilistische Gespreiztheiten" sowie einen manieristischen Umgang mit Dialekten gehören für den Rezensenten vermeidbaren Schwächen des Buchs.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.1999

Der Journalist vergisst seinen Fotoapparat; statt Bilder zu knipsen beschreibt er, was er sonst fotografiert hätte und numeriert seine Notizen wie Fotos; daraus sind Wehrlis "1111 Nummern aus 31 Jahren" entstanden, die Hermann Wallmann staunend zu einem der "wunderlichsten Bücher der letzten Jahre" erklärt. Mit Rückgriff auf Dittberner und Handke reflektiert Wallmann, was dem Autor vielleicht durch den Sinnn gegangen ist, als er aus seinen Notizen solche numerierten Miniaturen machte. Die geschärfte Aufmerksamkeit, die sonst dem Auge der Kamera überantwortet ist, hat zu vielerlei Beschriebenem geführt, das sich aneinanderreiht, auswächst, in einen Dialog miteinander tritt - Regentropfen auf Baumblätter prasselnd, ein Kneipengast, Handke als Interviewpartner - und den Rezensenten angenehm unterhalten.
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