Clemens Eich

Clemens Eich: Gesammelte Werke

Das steinerne Meer / Aufzeichnungen aus Georgien; Prosa / Drama / Lyrik.
Cover: Clemens Eich: Gesammelte Werke
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783100170156
Gebunden, 753 Seiten, 28,90 EUR

Klappentext

Am 22. Februar 1998 kam Clemens Eich, noch nicht einmal 45-jährig, bei einem Unfall ums Leben. Er hinterließ ein schmales, in seiner traumwandlerischen Klarheit erstaunliches Werk: Gedichte, Prosaerzählungen, ein Theaterstück, den Roman "Das steinerne Meer" und die unvollendet gebliebenen "Aufzeichnungen aus Georgien", die ein Jahr nach seinem Tod erschienen. Immer lotet Clemens Eich Grenzen aus - ob in der felsigen Gebirgslandschaft des Steinernen Meers, des gewaltigen Gebirgszuges zwischen Deutschland und Österreich, oder in Georgien, diesem "hellschwarzen, strahlend finsteren Traum".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.06.2008

Erfreut zeigt sich Rezensent Paul Jandl über die nun vorliegenden gesammelten Werke des 1998 verstorbenen Schriftstellers Clemens Eich. Die Schwierigkeit, sich als Sohn des Schriftstellerpaares Ilse Aichinger und Günter Eich von den prominenten Eltern zu lösen, ist für ihn in den Texten immer wieder spürbar. Nichtsdestoweniger würdigt er Clemens Eich als einen, "der deutliche Spuren in der Literatur hinterlassen hat." Neben dem Gedichtband "Aufstehn und gehn" von 1980 hebt er die unvollendeten, "finster-poetischen" Aufzeichnungen aus Georgien hervor, die 1999 postum erschienen sind. Besonders angetan hat es ihm der Roman "Das Steinerne Meer", ein Werk, das seiner Einschätzung nach "bleiben wird". Er fühlt sich bei dem in der dörflichen Provinz spielenden Roman an Hans Lebert und den frühen Thomas Bernhard erinnert und bescheinigt dem Buch eine "existenzielle Wucht", die es in "österreichische Schreibtraditionen" stelle, von denen sich Eich gleichzeitig emanzipiere.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.03.2008

Helmut Böttiger begrüßt die "Gesammelten Werke" von Clemens Eich, die zum zehnten Todestag des Schriftstellers in zwei Bänden erschienen sind. Er wirft einen genauen Blick auf das überschaubare Werk des 1954 als Sohn von Günter Eich und Ilse Aichinger geborenen Autors, der 1998 durch einen Unfall ums Leben kam. Generell konstatiert er eine Suche nach Eigenständigkeit, sprachlich wie inhaltlich. Gleichwohl scheint ihm Eich nicht immer frei zu sein vom Einfluss der Eltern. So mutet ihn manches Gedicht wie eine "Collage aus Günther Eich-Zitaten" an und bei den Erzählungen "Zwanzig nach drei" spürt er "überdeutlich" den Einfluss von Aichingers "fragiler Traumprosa". Andererseits attestiert er vielen Gedichten aus der Sammlung "Aufstehn und gehn" von 1980, einen eigenen Weg zu suchen. Am stärksten findet er den Roman "Das steinerne Meer", der für ihn trotz seiner existenziellen Düsternis etwas Befreiendes hat, sowie die "Aufzeichnungen aus Georgien".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.03.2008

Nichts weniger als ein literarisches Ereignis erster Güte ist für Michael Braun die Werkausgabe des 1998 jung verstorbenen Lyrikers und Erzählers Clemens Eich. Der Sohn des Dichterpaares Ilse Aichinger und Günter Eich ließ schon früh ein außerordentliches Talent erkennen, wandte sich in seinen Zwanzigern dann erst einmal der Schauspielerei zu, um schließlich doch an den Schreibtisch zurückzukehren. Die Texte von Clemens Eich loten immer wieder existenzielle Grenzbereiche und Überschreitungen "zwischen der sinnlichen Anschauung und der Halluzination" aus und variieren Motive der Todesmystik. Vor allem sein letzter vollendeter Roman "Das steinerne Meer" entwirft eine "bedrückende Inszenierung von Ausweglosigkeit", so Braun. Hier spitzen sich vor der dörflichen Kulisse einer hermetisch abgeschlossenen Bergwelt die Ereignisse zwischen einem Großvater und seinem Enkel derart zu, dass die Protagonisten, von einem "Daseinszwang" getrieben, in ihren Handlungen nur noch ins Albtraumhafte entgleiten können.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.02.2008

Rezensent Jochen Jung ist froh, dass das Werk (Gedichte und ein Roman) dieses zu früh verstorbenen Sohns des Dichterpaars Günter Eich und Ilse Aichinger jetzt in zwei "schönen" Bänden versammelt vorliegt. Zwar sei das Lesen der Texte von Clemens Eich nicht immer einfach. Trotzdem löst ihre Kompromisslosigkeit beim Rezensenten immer wieder leichte Schockwellen aus. Besonders die darin dominierende Schwermut, das Dunkle und Lebensuntüchtige manövrieren Jung mitunter an den Rand sichtlicher Erschütterung. Allerdings spricht er auch von den Grenzen von Eichs literarischem Vermögen, worin jedoch ein ganz eigener Reiz zu liegen scheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2008

Wohlwollend nähert sich Walter Hinck dieser eher schmalen Ausgabe "Gesammelter Werke". Dass Clemens Eichs literarische Laufbahn nicht ausreifen konnte, findet Hinck bedauerlich. Zumal er Eich dem Erwartungsdruck durchaus gewachsen sieht, dem er als Sohn Ilse Aichingers und Günter Eichs ausgesetzt war. Bereits an Versen des 13-Jährigen findet Hinck Bemerkenswertes und die "Eichsche Grundkonstellation" eines sich als streitbares Gegenüber entwerfenden Ichs. Erkennt Hinck das Potenzial von Eichs Lyrik und seinen Erzählungen, hält er die dramatischen Versuche des Autors doch eher für Nebenprodukte. Eine Wendung des Prosastils von einer "existentialistischen Blickweise" zu einer anderen Wahrnehmung in den ebenfalls in der zweibändigen Ausgabe enthaltenen "Aufzeichnungen aus Georgien", kann Hinck nur vermuten. Dem 1998 verstorbenen Autor blieb keine Zeit mehr, sie eindeutig zu vollziehen.
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