Unsere Kenntnisse über die Genese des modernen Antisemitismus im frühen und mittleren 19. Jahrhundert sind nach wie vor lückenhaft. Mit seiner Studie über Hartwig von Hundt-Radowsky legt Peter Fasel die erste wissenschaftliche Biografie eines extremen Judenfeindes dieser Zeit vor. Das weitgehend aus den Quellen erarbeitete Werk weist nach, dass der moderne Vernichtungsantisemitismus sich im geistigen Umfeld der frühen deutschen Nationalbewegung herausgebildet hat. In seinen Kampfschriften breitet Hundt-Radowsky seit den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts ein geschlossenes Welterklärungsmodell aus, das kein Judenfeind vor ihm konstruiert hat.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 18.03.2010
Peter Fasel hat dem Rezensenten Benedikt Erenz einen bestürzenden Blick in die Urgeschichte des eliminatorischen Antisemitismus gestattet. Hartwig Hundt, der seinen Namen später in von Hundt-Radowsky aufbrezelte, war ein reisender und rasender Pamphletist, der schon im frühen 19. Jahrhundert den traditionellen christlichen Antisemitismus ablegte und für Ghettoisierung, Zwangsarbeit und "Vertilgung" plädierte - das "komplette Programm des Holocaust", so Erenz. Obwohl Hundt zu seiner Zeit Erfolge feierte, sei er in bisherigen Geschichten des deutschen Nationalismus und Antisemitismus eher eine Fußnote, so Erenz, der dem Autor Fasel um so dankbarer ist, dass er sich die Mühe machte, sich durch den finsteren Wust seiner Schriften zu quälen. Die individualpsychologischen Analyseversuche Fasels überzeugen Erenz nicht - dafür ist ihm die biografische Materiallage zu dürr. Was ihn aber beeindruckt ist die von Fasel entfaltete Ungeheuerlichkeit - und Zukunftsträchtigkeit - von Hundts Gedankengebilden.
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