Die Gewerkschaften verlieren seit Jahren in vielen Ländern an Einfluss und Mitgliedern. In den USA wurde dieser Krise mit Techniken der Organisierung begegnet, die zuvor in den Kämpfen der radikalen Linken und der sozialen Bewegungen erprobt worden waren. Als internationales Vorbild gelten dabei häufig die Protestaktionen der GebäudereinigerInnen in Los Angeles zu Beginn der 1990er Jahre. Ihre "Justice for Janitors"-Aktionen wurden durch den Film »Bread and Roses« von Ken Loach weithin bekannt und stilbildend. Seitdem hat der Traum von einer Erneuerung der Weltgewerkschaftsbewegung wieder Auftrieb erfahren, und Organizing wurde in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen zum neuen Zauberwort. Aber was ist Organizing überhaupt? Und sind die Methoden, die ein Teil der US-Gewerkschaftsbewegung entwickelt hat, überhaupt übertragbar?
Christiane Müller-Lobeck hat mit Interesse Peter Birkes Untersuchung "Die große Wut und die kleinen Schritte" gelesen, die einen Überblick gibt über die Versuche von Gewerkschaftern, Arbeiter ohne Vertretung zu organisieren. Trotz aller Bemühungen dieser nach amerikanischem Vorbild entwickelten Organizer in Deutschland - die Rezensentin erwähnt beispielsweise eine Kampagne im Hamburger Sicherheitsgewerbe oder bei einem outgesourcten Betrieb des Otto-Konzerns - seien die Erfolge minimal. Verurteilen will der Autor dies aber nicht, so die Rezensentin, obwohl er auch mit den "gewerkschaftsfernen Organisierungsversuchen" der 70er Jahre sympathisiere. Birke schließe nicht aus, dass das aktuelle Organizing doch eine längerfristige Wirkung erzielen könne. Müller-Lobeck rät aber nach der Lektüre von alten Modellen des Arbeitskampfs ab und zu mehr Engagement in "gesellschaftlichen Bereichen", um beispielsweise einen Mindestlohn zu erstreiten.
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