Klappentext

Aus dem Englischen von Frank Jakubzik. Ob es um Deutschlands Rolle in Europa geht oder um das Bröckeln des neoliberalen Konsens - ein Wort hat derzeit Konjunktur: Hegemonie. Seit der griechischen Antike bezeichnet dieser Begriff eine Beziehung zwischen Staaten (etwa in der Theorie der Internationalen Beziehungen) oder Klassen (z. B. bei Antonio Gramsci), die von einer bestimmten Mischung aus Freiwilligkeit und Zwang geprägt ist. Indem Perry Anderson die Geschichte des Konzepts in verschiedenen Kulturen nachzeichnet, zeigt er zugleich, dass seine jeweiligen Konnotationen stets ein politisches Barometer für sich wandelnde Machtverhältnisse sind.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2018

Der Rezensent Ijoma Mangold sieht die Reflexionen des marxistischen Historikers Perry Anderson zur Hegemonie hauptsächlich als erhellende Begriffsklärung: Eine Hegemonie zeichnet sich laut Anderson dadurch aus, dass man sich ihr freiwillig unterordnet, da der Nutzen die Nachteile überwiegt, lesen wir. Laut Mangold argumentiert Anderson brillant, dass eine Hegemonie deshalb eine geschickte Propagandastrategie braucht, die den Unterworfenen die Entmündigung als Vorteil verkauft. Auch wenn der Historiker damit keinen Entwurf einer alternativen Machtverteilung vorlegt, reibt er dem Westen in der Studie äußerst eloquent seine Heuchelei unter die Nase, meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2018

Jürgen Kaube gibt sich zufrieden mit der Kenntnis über das Machtgebaren politischer Eliten, wie es ihm der Historiker Perry Anderson auseinandersetzt. Auch wenn der Autor keinen Rat hat, wie sich Hegemonie beschränken lässt, das im Buch ausgebreitete Wissen über den Begriff und seine Geschichte scheint Kaube derart enzyklopädisch, dass er als Leser erst mal beschäftigt ist. Ob der Autor über die indische Gramsci-Rezeption oder die Weltmachttheorie Giovanni Arrighis schreibt, seine Kenntnis internationaler Politik durch die Zeiten beeindruckt den Rezensenten auf jeder Seite. Wenn der Autor über Europas Mächtige spottet, hat Kaube sogar was zu lachen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.09.2018

Eine Ideengeschichte des Begriffs "Hegemonie" - Rezensent Thomas Steinfeld hat das mit Interesse, aber auch Vorbehalten gelesen. Er lässt sich von Perry Anderson erklären, wie stark sich die Bedeutung des Begriffs Hegemonie verändert hat: Ursprünglich stand er für eine freiwillig übertragene, zweckgebundene Führungsrolle. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er immer negativer besetzt und gilt heute oft als schönfärberische Beschreibung gewaltsam durchgesetzter Abhängigkeitsverhältnisse . Steinfeld lernt auch, wie wacklig die Position eines Hegemons ist, eines liberalen ebenso wie eines offen drohenden a la Donald Trump. So weit so gut, nur wenn der Autor versucht, die Weltgeschichte seinen geschichtsphilosophischen Theorien anzupassen, geht Steinfeld nicht mehr mit.
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