Die Rede ist von der Provinz, die sich vom Berner Jura bis an den Bodensee erstreckt und die ein von allen gern bereistes Land ist. Eine Landschaft, in der der Begriff "urban" ein Vorname ist, die sich allerdings auch in jeder der grossen Städte ohne langes Suchen finden lässt. In diesen Landstrichen wird geschrieben. Große Lebensentwürfe, kleine Gedichte, vertrackte Liebes- und spannende Mordgeschichten. Doch wer kennt sie, die grossen Namen der Provinzliteratur: Rodolfo Aebi aus Melchnau, Mathilde Ellenberger-Ellenberger aus Aarwangen, Res Gammenthaler, der in Insiderkreisen mit Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch in einem Atemzug genannt wird; Yvonne Leimgrubers Roman "Dreckschwein", - unvergessen, die Appenzeller Dichterin Cornelia Koller und ihre 23 Lyrikbände, nicht zu vergessen "Die Nachtgespräche mit dem Heiligen Antonius von Padua", über nicht gezählte Auflagen das Meisterwerk der Erbauungsliteratur schlechthin.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2005
Von vorne bis hinten frei erfunden ist Pedro Lenz' "Kleines Lexikon der Provinzliteratur". Nichtexistente Autoren, die beispielsweise als 'Meister der Provinznekrologie' oder 'Meister der botanischen Sonett-Lyrik' Hervorragendes leisten, finden sich hier neben Sacheinträgen zur 'provinziellen SMS-Poesie' oder zur 'Lehrerliteratur', amüsiert sich Rezensent Gieri Cavelty. Es sei dem Pseudo-Lexikologen gelungen, in "gespreiztem Vokabular" und "schiefen Metaphern" eine liebevolle Parodie auf den schweizer Literaturbetrieb und die Rhetorik helvetischer Kulturförderungskommissionen vorzulegen, deren freundlicher Humor nie verletzend wirke.
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